Legendäre Trainer
Was unterscheidet einen guten Fußballtrainer von einem schlechten? Worin besteht das Geheimnis des Erfolgs? Auf welche Qualitäten kommt es in diesem Beruf an? Es mag sein, dass es auf solche Fragen keine einfachen Antworten gibt, vielleicht verbietet sich sogar jede pauschale Aussage. Doch von einem deklarierten Trainer-Buch darf man erwarten, dass es zumindest den Versuch unternimmt, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Der bleibt in Dietrich Schulze-Marmelings neuem Werk »Strategen des Spiels« aber leider völlig aus.
Dafür liefert der Herausgeber im Anfangskapitel einen recht inter-
essanten historischen Abriss über den Beruf des Fußballtrainers. Vor hundert Jahren kannte man noch gar keinen Übungsleiter, genauso wenig wie etwa taktische Konzepte. Fußball war Spiel, und alle jagten einfach dem Ball hinterher.
Aber mit dem Aufkommen des Profifußballs, den Österreich 1924 als erstes Land auf dem Kontinent einführte, entdeckte man die Notwendigkeit eines Trainers: Nun ging es um etwas, um Titel und Geld, und es bedurfte einer verantwortlichen Person, die auf die Fitness der Kicker achtete und für die Spiele eine Strategie ausgab. Heute zählen die Trainer zu den mächtigsten Leuten der Branche und zugleich zu ihren schwächsten Gliedern. Der Trainerstuhl ist in der Regel ein Schleudersitz. Bleibt der Erfolg aus, muss der Übungsleiter als Erster den Hut nehmen. Die Spieler haben eine vergleichsweise sichere Position.
Es gibt auch Ausnahmen. Beispielsweise Guy Roux, der mehr als vier Jahrzehnte, bis zum Sommer 2005, die Geschicke des AJ Auxerre leitete. Roux fand Aufnahme in das Hauptkapitel dieses Buchs, das sich »30 legendären Trainern« widmet. Von österreichischer Seite sind Hugo Meisl und Ernst Happel vertreten, jedes Porträt umfasst etwa zehn Seiten.
Auch wenn uns Sepp Herberger, Johan Cruyff oder Ottmar Hitzfeld näher gebracht werden, sind wir doch am Ende so schlau wie zuvor. Auf die entscheidende Frage, welche Eigenschaften denn nun einen guten Trainer auszeichnen, bekommen wir im Buch »Strategen des Spiels« leider keine Antwort. (wm)
Dietrich Schulze-Marmeling (Hrsg.):
Strategen des Spiels
(Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2005)
Die blau-weiße Grauzone
Im Jahr 2001 entbrannte im Umfeld von Schalke 04 eine Diskussion um die geplante Benennung einer Straße nahe der Arena AufSchalke nach Spielerlegende Fritz Szepan. Szepan hatte während der Nazi-Zeit von einer »Arisierung« profitiert. Auch der Verzicht auf die Namensgebung setzte den Debatten um die enge Beziehung von Schalkern mit dem NS-Regime kein Ende. Anders als die Wiener Austria im ähnlich gelagerten »Fall Sindelar« entschied sich der Vorstand von Schalke 04 dafür, die dunklen Kapitel der Vereinsgeschichte aufzuarbeiten und beauftragte das Gelsenkirchener Institut für Stadtgeschichte mit der Erstellung der nun vorliegenden systematischen Studie.
Schalke 04 errang in den Jahren 1933 bis 1942 sechs Meistertitel, holte einen Pokalsieg und verbuchte sieben weitere Finalteilnahmen. Angesichts dieser Erfolgsserie wurde immer wieder über Spiel-Manipulationen zugunsten des Vorzeigeklubs im »Dritten Reich« gemunkelt, wofür die Historiker allerdings keine Belege fanden. Als Arbeiterverein passte Schalke perfekt in das propagierte Bild der »Volksgemeinschaft«, die »Knappen« wurden vom Regime politisch instrumentalisiert. Im Militärdienst genossen die Schalker bis 1942/1943 eine »relative Bevorzugung«, von einer »systematischen Schonung« könne man jedoch nicht sprechen, so die Studie.
Das Buch besticht insbesondere durch breite Quellenbasis und differenzierte Darstellung der Grauzone zwischen aktiver Beteiligung und Mitläufertum. Umso bedauerlicher, dass den Autoren trotz akribischer Arbeit einige Fehler unterliefen, etwa bei der Schilderung des Finalspiels 1941 zwischen Schalke gegen Rapid.
Der FC Schalke 04 ermöglichte als erster deutscher Fußballverein eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung der eigenen NS-Geschichte abseits von einseitiger Parteinahme und überholten Tradierungen ein schwieriger Weg, der auch österreichischen Klubs gut zu Gesicht stehen würde. (for)
Stefan Goch, Norbert Silberbach:
Zwischen Blau und Weiß liegt Grau. Der FC Schalke 04 im Nationalsozialismus (Klartext Verlag, Essen 2005)
Von VIP-Tribünen und Variositzen
Sportliche Großereignisse werfen naturgemäß ihre Schatten voraus. So ist es kein Wunder, dass Publikationen über die Fußballweltmeisterschaft 2006 derzeit wie Sand am Meer in den Regalen der Buchhändler zu finden sind. Auch die Redakteure der lesenswerten Zeitschrift »Stadionwelt« haben ihren Teil dazu beigetragen und mit »Die WM-Stadien« ein prachtvolles Buch abgeliefert.
Bis weit in die 90er-Jahre prägten ausladende Tribünen die deutschen Stadien, die vom Spielfeld meist durch Laufbahnen getrennt waren. Doch seit der Vergabe der WM hat ein beispielloser Bauboom eingesetzt, der die Stadienlandschaft nachhaltig verändert hat. Heute darf sich Deutschland rühmen, die modernsten Fußballstadien Europas zu besitzen.
Im Buch wird jeder der zwölf WM-Arenen ein eigenes Kapitel gewidmet. Bekannte Autoren wie Erik Eggers haben Aufsätze zu den Stadien verfasst, historische Rückblicke, technische Daten und hervorragendes Bildmaterial ergänzen die informative Vorstellung der Spielstätten. Auch zarte Kritik an der zunehmenden Kommerzialisierung der Stadien ist den Herausgebern nicht fremd. Einzig die Baukunst kommt etwas zu kurz: Oft würde sich der interessierte Leser mehr Informationen über Architekten und deren Entwurfsgedanken wünschen.
Ein kurzer Rückblick auf die Spielstätten der letzten Weltmeisterschaften sowie eine Vorschau auf die Stadien der EM 2008 und WM 2010 runden das gelungene Buch ab, das jedem, der sich für Stadienbau interessiert, ans Herz gelegt sei. Die WM kann kommen.(ep)
Stadionwelt (Hrsg.):
»Faszination Stadion 2006 Die WM-Stadien«
(Stadionwelt-Verlag, Brühl 2005)
ÖFB auf DVD
Mit einer Jubiläums-DVD kann man die Fußballberichterstattung nicht neu erfinden. »100 Jahre Österreichischer Fußball-Bund« ist da keine Ausnahme. Vor allem bei den Beiträgen über die WM-Teilnahmen des Nationalteams dürften viele aufmerksame ORF-Seher schon mitreden können. Aber Gijón war nun einmal Gijón, und da muss man durch und Robert Seeger ausnahmsweise beipflichten, wenn er sagt: »Das war gelinde gesagt eine Schweinerei.«
Legendäre Wortschöpfungen und Kommentare finden sich auch bei Endrunden-Auftritten nach 1982. Ein Zuschauer nach dem 0:1 gegen Tschechien 1990: »Es ist eine grundprinzipielle Einstellung gewesen. Verstehen Sie mich?« - Natürlich tun wir das, nach dem Rückpass vom Pfeffer Toni haben wir uns auch die volle Ölung gegeben. Und dann natürlich Krankl in einer seiner besten Rollen als grantelnder Co-Kommentator beim 98er-Turnier in Frankreich. Polsters spätest möglicher Ausgleich gegen Kamerun: »Na, na, na - na oiso!« Vastics Last-Minute-Treffer gegen Chile: »Na bitte, na bitte!« Abbusseln könnte man ihn, wenn er nicht später so viel Blödsinn angestellt hätte.
Bei fast zweieinhalb Stunden Spielzeit finden sich aber auch selten gezeigte Aufnahmen: Die frühen Erfolge aus dem Mitropacup zum Beispiel. Aber auch die Decker-Ära hat der Gebührenzahler eventuell schon vergessen. Die Bilder waren zwar noch Schwarz-Weiß, konnten aber schon richtig laufen. Senekowitsch, Hanappi, Hof und Nemec schlagen England, Spanien und Europameister Russland. 90.000 Zuschauer im Prater wer wäre da nicht gern dabei gewesen. (rk)
»100 Jahre ÖFB. Die besten Mannschaften! Die schönsten Tore! Die größten Erfolge!«
(ORF, 2005)






erscheint am 12. Juli 2013.
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