Zu finden waren sie und über dreißig andere Gruppierungen stattdessen vom 15.-17.Juni beim »Antira St. Pauli«. »Das Turnier entstand aus der Kritik an der Mondiali«, erklärt Heiko vom »Fanladen St. Pauli«, der neben den Ultras St. Pauli, dem Fanzine »Der Übersteiger« und der »Abteilung Frauenfußball« einer der vier Ausrichter des Turniers ist. »Wir sehen das Antira allerdings nicht als Gegenbewegung, sondern als Ergänzung«, stellt Heiko klar. Denn mit dem Erfolg der Mondiali, der sich hauptsächlich in explodierenden Teilnehmerzahlen widerspiegelt, wuchs auch die Kritik. Höchst bedenklich sieht Heiko die Einladungspolitik der Mondiali und verdeutlicht die Unterschiede zur Antira: »Es gibt Gruppen bei der Mondiali, die geben sich das ganze Jahr unpolitisch und verbreiten keine antirassistische Botschaft. Wir hingegen wollen die Gruppen vernetzen, die auch wirklich im Stadion aktiv sind.« Wer sich zuwenig einbringt, wird dann auch nicht wieder eingeladen. Dafür ist dann im Jahr darauf Platz für interessante Newcomer, so zum Beispiel heuer die »Linke Landjugend« der Bierkurve Winterthur oder die »Rude Boys and Girls Genua«, die nicht nur optisch und gesanglich brillierten, sondern auch gleich das Turnier gewannen. Gegner im packenden Finale waren übrigens die »Skinheads St. Pauli«, es herrschte also höchster Tattoo-Alarm am Rasen.
Schlechtes Wetter, gute Stimmung
Neben dem Turnier war natürlich die antirassistische Vernetzung und Arbeit ein wichtiger Eckpfeiler des Turniers. Freitags stand ein Besuch der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Neuengamme auf dem Programm. Am Samstag und Sonntag hatten die Gruppen Gelegenheit, sich im Infozelt vorzustellen. Vorträge von Zeitzeugen, Berichte vom G8-Gipfel und die Vorstellung des Projekts »Fußballfans beobachten Polizei« von Fans des SV Babelsberg 03 rundeten das Programm ab. Die Partys kamen dennoch nicht zu kurz. »Beim gemeinsamen Feiern lernen sich die Leute einfach besser kennen«, sagt Heiko. Als einziger kurzfristiger Störenfried entpuppte sich nur die Hamburger Polizei, welche gut hundert feierwütigen Antira-Teilnehmern den Zugang zur Roten Flora, dem autonomen Zentrum in Hamburg, verwehrte. Doch weder dieser Vorfall noch die sintflutartigen Regenfälle konnten die Stimmung trüben. Auch die Organisatoren haderten nicht lange mit dem Wetterpech: »Anfangs waren wir durch den Regen sehr genervt, dennoch war es von der Stimmung her das beste Antira«, meint Heiko abschließend.
Trotz eines rundum gelungenen Wochenendes ist es aber noch nicht gesichert, ob das Turnier nächstes Jahr wieder in St. Pauli stattfinden kann. Ist doch der Verschleiß bei den Organisatoren während der drei Turniertage ziemlich groß. »Wir merken eine ständige Wiederkehr, was wir auch bei den Mondiali kritisieren«, bemerkt Heiko negative Tendenzen. Bleibt zu hoffen, dass diese ersten Schwierigkeiten überwunden werden können.






erscheint am 12. Juli 2013.
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