ballesterer: Wieso ist der Deutsche Fußball-Bund so undemokratisch? Selbst im ÖFB gab es bei der letzten Präsidentschaftswahl einen Gegenkandidaten.
Andreas Rüttenauer: Es kommt wohl niemand auf die Idee, dass mehr Demokratie dem Verband guttun könnte. Der DFB ist aufgebaut wie in alten Zeiten hierarchisch von oben nach unten. Das ist nicht mehr zeitgemäß, man muss den Mitgliedern die Möglichkeit geben mitzuentscheiden. Eine erste Maßnahme meiner Präsidentschaft wäre eine Statutenänderung, um den Präsidenten in einer Direktwahl durch die Mitglieder bestimmen zu lassen.
Wofür steht der Kandidat Rüttenauer noch?
Ich habe ein großes Ziel: den Fußball zu einem angstfreien Raum zu machen, in dem kein Platz ist für Rassismus, Antisemitismus und Homophobie. Möglichst viele Menschen sollen sich im DFB aufgehoben fühlen. Der Spruch, der in jedem deutschen Fußballstadion regelmäßig gesungen wird »Fußballmafia DFB« , soll der Vergangenheit angehören. Ich möchte, dass der DFB gemocht wird.
Das klingt doch sehr nach Amtsvorgänger Theo Zwanziger.
Richtig, da sehe ich mich auch in seiner Tradition. Aber dass Zwanziger letztlich gescheitert ist, liegt auch daran, dass die sozialen Anliegen, die er nach vorn bringen wollte, im Verband noch nicht wirklich verankert sind. Die Spielregeln bestimmt der Profifußball, auf den der DFB aber kaum noch Einfluss hat.
Sehen Sie denn Berührungspunkte mit dem designierten Präsidenten Niersbach?
Das ist auch so ein Problem: Wofür steht Wolfgang Niersbach eigentlich? Das weiß er bis jetzt wohl nur selbst. In der Diskussion um Pyrotechnik in Deutschland hat sich gezeigt, was er von der Ultra-Bewegung hält, nämlich nicht viel. Da grenze ich mich stark von ihm ab. Das Schlagwort »sogenannte Fans« gefällt mir gar nicht. Die schwierigen Fans sind echte Fans, mit denen muss man auch reden.
Im Manifest zu Ihrer Kandidatur heißt es: »Fußball darf keine Männersache bleiben.« Das klingt gut, aber eine Frau sind Sie ja auch nicht.
Ja, ich sehe mich selbst auch nur als Notkandidaten. Zuerst hieß es, Theo Zwanziger wolle im Oktober aus dem Amt scheiden. Dann wurde das Verfahren abgekürzt und es stand der 2. März als Termin fest. Eigentlich hatten wir in der taz vor, rechtzeitig eine passende Gegenkandidatin zu finden. Der Zeitdruck hat dann dazu geführt, dass ich die Hand heben musste, weil es sonst zu spät gewesen wäre.
Jetzt einmal ehrlich: Wie ernst ist Ihre Kandidatur?
Als Präsidentschaftskandidat sage ich: »Das ist mir alles sehr ernst. Ich habe keine großen Chancen, aber solange es Hoffnung gibt, bleibe ich im Rennen.« Als Redakteur sage ich: »Das ist eine Chance, sportpolitische Themen anders darzustellen und auf ein Demokratiedefizit im Sport hinzuweisen, das es ja nicht nur im DFB gibt.« Die Themen sind also ernst, aber wie ernst mein Wunsch ist, wirklich in Frankfurt in die DFB-Zentrale einzuziehen, lasse ich mal offen.






Am 2. März wählt der Deutsche Fußball-Bund einen neuen Präsidenten. Die 6,5 Millionen Mitglieder des größten Sportverbandes der Welt haben dabei nur ein begrenztes Mitspracherecht. Undemokratisch ist das, findet taz-Journalist Andreas Rüttenauer. Er will selbst antreten.
erscheint am 12. Juli 2013.
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