ballestererfm: Sie beide sind lange Zeit getrennte Wege gegangen. Nun teilen Sie Ihre Fußball-Leidenschaft brüderlich beim gleichen Verein. Wie kam es dazu?
ANDI OGRIS: Wir haben uns irgendwann getroffen und die persönlichen Sachen ausgeräumt. Dann hat der Verein an Stürmer braucht, der Ernstl war zum Haben, und dann haben wir zugeschlagen.
Wie ist Euer Verhältnis innerhalb der Mannschaft?
ANDI: Es ist ein normales Trainer-Spieler-Verhältnis, außerhalb vom Platz ist es familiär. Aber es gibt keine Vor- oder Nachteile für ihn, weil ich sein Trainer bin. Auf Grund seiner Karriere muss ich allerdings ein bissl mehr von ihm erwarten, die Messlatte liegt schon höher als bei vielen anderen in der Mannschaft. Aber es ist nix Unmögliches, was ich von ihm verlange.
Wie würden Sie Ihren Bruder als Trainer beschreiben, Ernst?
ERNST OGRIS: Er ist ein ganz ein normaler Trainer, wie jeder andere. Er ist hart, aber gerecht. Es ist genauso wie mit allen Trainern, die ich bisher gehabt hab. Vieleicht bis auf den einen oder anderen...
Tabula rasa - der reine Tisch
ballestererfm: Wie werden Meinungsverschiedenheiten geregelt?
ANDI: Wie es einfach regelbar ist zwischen Trainer und Spieler. Wenn i mit seiner Leistung net zufrieden bin, kann es sein, dass ich ihn austausch. Nach dem Match, wenn sein Zorn verraucht ist, und mein Zorn verraucht ist - des dauert a Zeit lang - dann könn` ma über alles reden, auf privater Ebene. Aber die Entscheidung, die i` während an Spü triff, bleibt bestehen. Aus, Ende, dazu steh i` jederzeit.
Wie würden Sie den Spieler Ernst Ogris charakterisieren?
ANDI: Es ist natürlich beim Ernstl so, dass die Karriere sich schon eher dem Ende zuneigt, alleine aufgrund seines Alters. Durch seine Erfahrung kann er den jungen Spie¬lern aber sehr vieles mitge¬ben. Und was ganz wichtig ist: Er ist in einer Vorbild¬situation, wo er den an¬dern vorzeigen muss, wies geht. Diese Aufgabe erfüllt er meiner Meinung nach zu hundert Prozent, da gibts überhaupt nix zum meckern.
Wie würden Sie den Andi als Bruder beschreiben?
ERNST: Was kann i sagen? I kann da net so vü sagen, i kenn ihn ja schon so lang... Des war a super Fußballer, der hat gspüt 67 Mal im Nationalteam. Ich weiß, dass er gerecht und hart ist und wenns ein Problem gibt, setzt man sich an ei¬nen Tisch und redt des aus. I kann nix Schlechtes drü¬ber sagen.
Per aspera ad astra durch die Mühsal zu den Sternen
Sind Sie über den Andi zum Kicken gekommen?
ERNST: Der große Bruder hat den Andi mitgenommen und der Andi mi. Des geht eines ins andere. A jeder von uns hat des Talent gehabt.
ANDI: Wir haben alle vier Brüder beim FAC angfangt. I bin mit zehn Jahr zur Austria gegangen, ein Jahr später ist der Ernstl nachgekommen, wiederum ein Jahr später ist der Ernstl nachgekommen, wiederum ein Jahr später ist der Kleinste nachgekommen, der war allerdings kein Feldspieler sondern Tormann. Schlussendlich haben da Ernst und i` a Zeit lang gemeinsam in der Kampfmannschaft gespielt bei der Austria, er ist dann weg, St. Pölten, Admira, Hertha BSC wiss ma eh alle... Was ma allerdings net zusammengebracht haben ist ein gemeinsames Spiel in der Nationalmannschaft, das hat eine Verletzung meinerseits verhindert. In dem Länderspiel, in dem er des Tor des Jahres gemacht hat, hätt ma beide spielen sollen, nur hab i mi im Abschlusstraining verletzt. Des wär sonst für uns a schönes Erlebnis gewesen.
Dann hätten vielleicht Sie das Tor des Jahres geschossen...
ANDI: Wer weiß, vielleicht hätt ma beide das Tor des Jahres geschossen. Vielleicht hätt ma die Partie dann gewonnen. Wir haben das Spiel ge¬gen Dänemark 2:1 verloren und in Wahrheit ist das Tor des Jahres zwar a schene Auszeichnung für ihn, aber i denk, dass er auf diese Auszeichnung pfeifen würd, wenn wir das Spiel gewonnen hätten. Weil für uns und da glaub i red i a in seinem Sinn der Erfolg, der mannschaftliche Erfolg, immer vorm persönlichen Erfolg steht. Ernst billigt und schweigt.
Waren Sie beide die Talentiertesten der Ogris-Brüder?
ANDI: Der Christian, unser großer Bruder, war auch sehr talentiert. Er hat sich aber für eine berufliche Karriere entschieden und ist heute bei einer Bank Leiter einer großen Filiale. Der Kleinste, der Thomas, hat leider schon in jungen Jahren eine schwere Knieverletzung gehabt. Es sind halt wir zwei übergeblieben, aber i glaub zwei Ogris haben für den österreichischen Fußball gereicht.
Austria erit in orbe ultima die Austria wird immer sein
Ihre Trainerkarriere ist noch relativ jung. Was plant der Andi Ogris noch als Trainer?
ANDI: I´ glaub, dass in dem Job net wirklich viel zu Planen is. I` kann zwar sagen, i`bin mit Simmering Meister g`wordn, i` bin mit Polizei/Feuerwehr Cupsieger geworden, hab in zwei Jahren zwei Titel gemacht. Aber unterm Strich zählt das Null, wenn man sagt, man will vielleicht irgendwann einmal nach oben. Da muss die Nachfrage da sein, da muss jemand einem jungen Trainer - so wies i halt bin - die Chance geben. Deswegen plan i eigentlich gar nix.
Können Sie sich vorstellen, Austria-Trainer zu werden?
ANDI: Na. Unter den jetzigen Gegebenheiten sicher net.
Wie viele Austria-Partien haben Sie in der letzten Zeit live im Stadion gesehen?
ANDI: Sehr wenig. Aber ich brauch mit meinem priva¬ten Job und dem Trainer-Job sehr viel Zeit, und da möchert i die freie Zeit, die mir bleibt, net unbedingt a no im Horrstadion verbringen. Eins ist sicher: I werd in meinem Herzen immer violett sein. Wenn man mir da einesticht, rinnt sicher violettes Bluat außer. Aber, die Bindung zum Verein ist einfach nimmer so gegeben, wies einmal war. 80 Prozent der Spieler kenn i so und so net, mit denen hab i noch nie an Satz geredet werd i a nie reden. Die paar, de übrig geblieben sind, die i noch kenn, mit denen hab i wenig Kontakt. Der einzig aufrechte Kontakt, den i zur Austria hab, ist mit dem Zeugwart-Ehepaar, da finden alle vierzehn Tag Te¬efonate statt.
Sie haben als Spieler nicht immer ein einfaches Verhältnis zu Ihren Trainern gehabt, wie ist es jetzt in der umgekehrten Rolle?
ANDI: Es passieren Dinge, die aus der Emotion heraus passieren, da muss man ab und zu ein Augerl zudrücken oder sich die Ohren zuhalten. Aber es gibt Din¬ge, auf die man ganz einfach reagieren muss: Und da wird ganz normal drauf reagiert, mit Sanktionen, die sein müssen.
Ira furor brevis est der Zorn ist eine kurze Raserei
Kann man sagen, dass Sie Ihre Emotionalität abgelegt haben?
ANDI: Nein, aber ich trag sie nicht mehr so offen zur Show, dass sie jeder sieht. I schau, dass i das so gut wie möglich bei mir lass und dann selber mit mir ins Reine bring.
Welche Erfahrungen haben Sie mit den Schiedsrichtern in der Wienerliga gemacht, Ernst?
ERNST: I hab kein Problem damit. Ich versteh mich mit den Schiedsrichtern eigentlich ganz gut. Sicher, es gibt Entscheidungen, wo du deine Sachen einfach loswerden musst. Du probierst zwar es nicht zu tun, machst das dann aber trotzdem...
...und mit den Gegenspielern?
ERNST: Es gibt sicher Fälle, wenn einer ganz tief schimpft, dass i a was zurück sag. Wann einer sagt: »Hearst Ogris, du Trottl«, dann schluck is. Aber bei den ganz tiefen Sachen, da gibts schon retour. ... Das i heute Bildfang bin für alle, das ist ganz normal. Weil die wissen, dass i halt einmal ein bissl ein Aggressiverer bin, so ist mein Spiel. Die wissen, dass ich auch einmal was zurücksag. Aber i bin dabei, des einfach weniger zu tun.
Was heißt Leidenschaft für Euch?
ERNST: Für mich heißt Leidenschaft gewinnen! Dass i heut no ausse geh und mich freu, dass ich noch spielen darf. Das ist meine Leidenschaft. I tua so gern Fußball spün, und i tuas halt gern...
Und bei Ihnen, Andi?
ANDI: Kann ich die Frage noch einmal hören?
Was bedeutet Leidenschaft für Sie?
ANDI: Leidenschaft in welchem Bezug?
Im fußballerischen Bezug!
ANDI: Die Frage is.... (seufzt) Ich hab gelernt, dass i von mir net immer auf die anderen schließen kann. Es is net jeder so wie i bin, und....
Was ist Ihre persönliche Erfahrung?
ANDI: Zum Fußball gehört die Leidenschaft einfach dazu wenn i des nötige Herz net hab, dann wird unterm Strich nix aussakommen. Und Leidenschaft kannst net lernen.
Trainingsbeginn: Ernst Ogris wird mit den Worten »Du machst jetzt an Abgang« umziehen geschickt. Profi, der er ist nimmt er dies trocken zur Kenntnis und verabschiedet sich.
Alter ego das andere Ich
Haben Sie neben dem Trainerjob noch ein zweites berufliches Standbein? Was machen Sie wenn Sie nicht am Fußballplatz sind?
ANDI: Ich hab eine Baufirma, die beansprucht mich von sechs Uhr früh bis circa 16 Uhr. Anschließend fahr' ich da her und trainier die Mannschaft.
Was bauen Sie derzeit?
ANDI: Wir arbeiten hauptsächlich im privaten Bereich, unser Haupteinzugsgebiet sind Kleingartensiedlungen, Einfamilienhäuser, solche Sachen halt. Sehr zeitaufwendig und arbeitsintensiv.
Und das lässt sich trotzdem noch mit dem Fußball vereinbaren?
ANDI: Das lässt sich alles regeln, ich hab die Firma nicht alleine, hab meine Kompagnons. Es ist klar abgesprochen, dass, wenn ich meinen Fußball hab, den ich als Ausgleich brauch, dann übernehmen die für ein, zwei Stunden meine Aufgaben.
Was macht der Ernst beruflich?
ANDI: Der Ernstl arbeitet bei mir in der Baufirma und ist Dachdecker.
Gibts etwas, das Sie noch gerne sagen wollen?
ANDI: Na (lacht) -I wissert nix.






erscheint am 12. Juli 2013.
Abo bestellen