Karin Hambrusch: Mein Vater war ein glühender Fan von Udinese und hat mich als Teenager zu Spielen nach Italien mitgenommen. Und im Gasthaus meiner Familie nahe Klagenfurt habe ich regelmäßig die Spieler vom benachbarten SAK getroffen. Einmal haben sie mich zu einem Testspiel nach Udine mitgenommen, als Oliver Bierhoff noch dort spielte. Das war natürlich aufregend.
Haben Sie sich den Fußball als Berufsfeld ausgesucht?
Nein. Auf meiner Suche nach einem neuen Betätigungsfeld bin ich auf ein Pilotprojekt der Styria Medien GmbH gestoßen. Die wollte ein professionelles Fußballmarketing aufziehen und hat einen Fünfjahresvertrag mit dem GAK abgeschlossen. Wir haben 2003 in einem Dreierteam begonnen, ziemlich genau zu der Zeit, als Trainer Schachner engagiert wurde. Es folgten die drei erfolgreichsten Saisonen des Klubs: zweimal Vizemeister, einmal Meister und Cupsieger. Für das Sponsoring waren das ideale Rahmenbedingungen. Wir haben durchschnittlich 4,5 Millionen Euro pro Saison lukriert.
Warum hat der GAK in kurzer Zeit so abgebaut?
Nach drei Jahren hat die Vereinsführung in einem Anflug von Größenwahn unsere Kooperation über Nacht aufgelöst und mit der Sportmarketingfirma IMG einen Zehnjahresvertrag abgeschlossen. IMG vermarktet neben 1860 München auch Stars wie Michael Schumacher oder Tiger Woods. Mit der Vertragsauflösung hat der Verein die von uns aufgebauten und gepflegten Bindungen an die lokalen Sponsoren verloren. IMG hat sich schon nach einem Jahr wieder verabschiedet. Ich weiß nicht einmal, ob da tatsächlich Geld geflossen ist. Zurzeit läuft ein Prozess zwischen GAK und IMG.
War das nicht Grund genug, vom Fußball die Finger zu lassen?
Ich habe danach für eine Konzertvermarktungsagentur gearbeitet, aber das war mir zu fad. Insofern war ich froh, als mich der Hannes Kartnig gefragt hat, ob ich zu Sturm kommen und dem Verein in einer schwierigen Situation helfen will.
Sie haben freiwillig auf einem sinkenden Schiff angeheuert ...
Allerdings war noch nicht absehbar, wie schlecht es um Sturm wirklich steht. Das hat erst die Wirtschaftsprüfung im letzten Jahr zu Tage gefördert, die die Außenstände bis in die Zeiten der Champions League zurückverfolgt hat. Den Fußball von der anderen Seite kennen zu lernen, hat mich gereizt. Innerhalb so kurzer Zeit vom Meister- in den Abstiegs- und Insolvenzkampf zu wechseln, sehe ich als lohnende Herausforderung. Neben dem Sponsoring, das derzeit ohnehin auf der Stelle tritt, prüfe ich die Forderungen der Gläubiger und organisiere die internen Strukturen des Klubs neu.
Rechnen Sie intern schon mit zwei Budgets: eines für die Bundes-, eines für die Erste Liga?
Wir hoffen noch, dass es mit dem Klassenerhalt klappt. Ein Abstieg wäre tragisch, weil wir uns mit den geringeren Einnahmen das Stadion nicht mehr leisten könnten. Aber wie es aussieht, könnte es einen der beiden Grazer heuer erwischen.
Wird man als Frau innerhalb der männlich dominierten Vereinsstrukturen ernstgenommen?
Man ist und bleibt Exotin. Das hat Vorteile, aber auch Grenzen. Mich motiviert es, wenn ich zunächst belächelt werde. Man muss den Männern noch beibringen, wie sehr sie in wichtigen Situationen den kühlen Kopf der Frauen benötigen. Meiner Erfahrung nach setzt bei den Verantwortlichen ab einem bestimmten Zeitpunkt einfach der Verstand aus; sie werden fanatisch und verlieren den Überblick. Dann wollen sie noch einen und noch einen Spieler kaufen und vergessen, dass das Geld dafür gar nicht mehr da ist. Das könnte mir bei aller Begeisterung für den Sport nie passieren.






erscheint am 12. Juli 2013.
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