Dem Wetl sein Tor

VALENCIA Neun Jahre nach dem 0:9 der österreichischen Nationalmannschaft gegen Spanien. Der ehemalige FC Porto-Legionär, Arnold Wetl, berichtete zunächst etwas beschämt vom damaligen Spiel wurde im Laufe der Unterhaltung aber immer lockerer.


Wolfgang Pennwieser | 12.05.2008
Das ist so eine spezielle Geschichte mit dem Verarbeiten von Erlebnissen. Der eine kommt vom Krieg heim und erzählt dir hundertmal, wie die Kugeln an ihm vorbeigeflogen sind, und vom Granatsplitter in der Milz, der ihm fast den Garaus gemacht hätte. Der andere wiederum tunkt nur still seine Semmel in den Kaffee und starrt dir ein Loch in die Wand hinein. Beim Arnold Wetl hat man anfangs den Eindruck, dass er so ein Semmeltyp ist und eigentlich gar nicht drüber reden will. Denn zunächst ist es ihm spürbar peinlich, auf das Spiel gegen Spanien angesprochen zu werden. Doch nach einiger Zeit legt er ein wenig seine schüchterne Scheu ab und tut alsbald nicht mehr so, als ob nichts gewesen wäre. Neun Jahre sind eine lange Zeit, und der Wetl ist durchaus ein Mensch, der schon mal selbstreflektiert in die Vergangenheit zurückschauen kann. -Und so meint er, dass eben nichts funktioniert hat an diesem 27. März in Valencia. 


Seiner war nicht zu halten


Die österreichische Nationalmannschaft wollte gegen Spanien in der EM-Qualifikation ein gutes Spiel machen. Viel hatte man sich vorgenommen, mitspielen wollte man und einiges an Chancen hat man sich auch ausgerechnet. Doch der Raúl ist halt der Raúl und so stand es bereits nach siebzehn Minuten 2:0 für die Gastgeber. Wetl meint heute, dieser schnelle Rückstand sei der Knackpunkt gewesen: »Du hast ein gutes Gefühl am Anfang, und schon nach ein paar Minuten kommt der Dämpfer.« Nach den beiden schnellen Toren funktionierte dann einfach nichts mehr: »Wir waren erstarrt. Nicht nur die Abwehr, sondern die ganze Mannschaft.« Im Gegensatz dazu die Spanier, locker ballesterten sie sich in einen Spiel- und Torrausch. Der Arnold kommt fast ins Schwärmen, wenn er darüber berichtet, wie klasse die Spanier an diesem Abend kombinierten. Damals war es freilich tragisch, und besonders tragisch war es für den Teamchef Herbert Prohaska. Dieser tut dem Wetl noch heute leid, weil der Prohaska sich das am wenigsten verdient gehabt habe dieses Spiel und den folgenden Abgang, sagt der Grazer. Doch das Match hätte nicht ganz so desaströs enden müssen. So meinte der Torhüter Franz Wohlfahrt nach dem Spiel auf seine recht bescheidene Leistung angesprochen: »Mit mir in absoluter Hochform hätte es ein 0:8 gegeben.« Wetl entlastet Wohlfahrt zumindest teilweise, denn: »Meiner war nicht zu halten.« Arnolds abgerissener Schuss, der im eigenen Kreuzeck landete, war bestimmt der schwierigste Ball, der an diesem Abend auf das österreichische Tor flog. 

Schwierig war auch die nächste Phase für das Nationalteam. Mit Otto Baric als Trainer und dem 0:5 in Israel folgten dem Spanienmatch gleich zwei Katastrophen bis heute hat sich das Team nicht richtig von dieser Zeit erholt. Indessen wirkt Wetl mittlerweile entspannter. Mit seinem Job in der Sturm-Akademie, in der er die U17-Mannschaft betreut, ist er recht zufrieden, und die jungen Buben wissen ohnehin nicht, dass er damals in Valencia mitgespielt hat. Man hat den Eindruck, dieser Mann hat sich mit dem Eigentor und seiner damaligen Tollpatschigkeit versöhnt. Dementsprechend scherzt er recht entspannt und meint schmunzelnd: »Da hast du dir ja den richtigen ausgesucht für dieses Interview.« Schön, dass es ihm gut geht, dem liebenswerten Arnold. Ob er die Semmel in den Kaffee eintunkt, hat er dann aber doch nicht mehr verraten.

Referenzen:

Heft: 33
ballesterer # 82

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