Seiner war nicht zu halten
Die österreichische Nationalmannschaft wollte gegen Spanien in der EM-Qualifikation ein gutes Spiel machen. Viel hatte man sich vorgenommen, mitspielen wollte man und einiges an Chancen hat man sich auch ausgerechnet. Doch der Raúl ist halt der Raúl und so stand es bereits nach siebzehn Minuten 2:0 für die Gastgeber. Wetl meint heute, dieser schnelle Rückstand sei der Knackpunkt gewesen: »Du hast ein gutes Gefühl am Anfang, und schon nach ein paar Minuten kommt der Dämpfer.« Nach den beiden schnellen Toren funktionierte dann einfach nichts mehr: »Wir waren erstarrt. Nicht nur die Abwehr, sondern die ganze Mannschaft.« Im Gegensatz dazu die Spanier, locker ballesterten sie sich in einen Spiel- und Torrausch. Der Arnold kommt fast ins Schwärmen, wenn er darüber berichtet, wie klasse die Spanier an diesem Abend kombinierten. Damals war es freilich tragisch, und besonders tragisch war es für den Teamchef Herbert Prohaska. Dieser tut dem Wetl noch heute leid, weil der Prohaska sich das am wenigsten verdient gehabt habe dieses Spiel und den folgenden Abgang, sagt der Grazer. Doch das Match hätte nicht ganz so desaströs enden müssen. So meinte der Torhüter Franz Wohlfahrt nach dem Spiel auf seine recht bescheidene Leistung angesprochen: »Mit mir in absoluter Hochform hätte es ein 0:8 gegeben.« Wetl entlastet Wohlfahrt zumindest teilweise, denn: »Meiner war nicht zu halten.« Arnolds abgerissener Schuss, der im eigenen Kreuzeck landete, war bestimmt der schwierigste Ball, der an diesem Abend auf das österreichische Tor flog.
Schwierig war auch die nächste Phase für das Nationalteam. Mit Otto Baric als Trainer und dem 0:5 in Israel folgten dem Spanienmatch gleich zwei Katastrophen bis heute hat sich das Team nicht richtig von dieser Zeit erholt. Indessen wirkt Wetl mittlerweile entspannter. Mit seinem Job in der Sturm-Akademie, in der er die U17-Mannschaft betreut, ist er recht zufrieden, und die jungen Buben wissen ohnehin nicht, dass er damals in Valencia mitgespielt hat. Man hat den Eindruck, dieser Mann hat sich mit dem Eigentor und seiner damaligen Tollpatschigkeit versöhnt. Dementsprechend scherzt er recht entspannt und meint schmunzelnd: »Da hast du dir ja den richtigen ausgesucht für dieses Interview.« Schön, dass es ihm gut geht, dem liebenswerten Arnold. Ob er die Semmel in den Kaffee eintunkt, hat er dann aber doch nicht mehr verraten.






erscheint am 12. Juli 2013.
Abo bestellen