»Da sind Brösel vorprogrammiert«

cache/images/article_1815__mg_2050_140.jpg Die alte Friedhofstribüne des Wiener Sportklubs hat vieles schon erlebt. Nun werden Pläne gewälzt, die baufällige Stehplatzterrasse in Verbindung mit einem Wohnbau neu aufzustellen. Doch die Fans sehen ihren Kulturraum gefährdet und beklagen eine Benachteiligung ihres Vereins.
Vier Tage vor dem Frühjahrsstart herrscht hektische Betriebsamkeit auf dem Sportclub-Platz. Auf der Friedhofstribüne surren die Akkuschrauber, Arbeiter auf Stehleitern fixieren Schilder, die durch die Kälte des Winters locker geworden sind. Eine Etage tiefer, im selbstverwalteten Fanlokal »Flag«, sind die Nachwehen der Soli-Party vom Wochenende unübersehbar, mit der die »FreundInnen der Friedhofstribüne« eine neue Musikanlage finanzieren wollen: Auf der Bar stehen halbleere Becher, der Boden pickt, die Luft ist zum Schneiden. Nach dem Wegräumen von geleerten Bierfässern und anderen Gebinden geht die Tür zu einem Verschlag unter der Tribüne auf. Durch Ritzen zwischen den Betonstufen fällt Sonne in den fensterlosen Hohlraum sie sind so groß, dass man einen Finger durchstecken kann. Dass hier auch Wasser eindringt, ist offensichtlich. Das unterirdische Gewässer der Als und Regenwasser vom gegenüberliegenden Hang, auf dem sich der Dornbacher Friedhof befindet, tun ihr Übriges dazu. Die Nässe kommt sprichwörtlich von allen Seiten und hat Mauern, Decken und Böden der Friedhofstribüne schwer in Mitleidenschaft gezogen. Der Schimmel wuchert, der Putz ist an vielen Stellen abgefallen. Zwar wurden die schlimmsten Schäden isoliert, um für die Mitarbeiter und Spieler ein halbwegs erträgliches Arbeitsklima zu schaffen, doch bereits vor zwei Jahren hat eine Erhebung nur eine Schlussfolgerung zugelassen: Die Friedhofs­tribüne muss abgerissen und neu aufgebaut werden. Eine Sanierung des bestehenden Gebäudes erscheint aussichtslos.
 
Eine Tribüne, zwei Fliegen, drei Wohntürme
Im April 2010 war Stadt- und Bezirkspolitikern bei einer Begehung der Sportanlage Wasser von der Decke der unbenutzbaren Kantine im Bauch des Stadions auf den Kopf getropft. Bis die Sanierungspläne anrollten, sickerte jedoch noch viel Nässe in die Friedhofstribüne. Als dem SK Rapid im Dezember vergangenen Jahres 26,4 Millionen Euro von der Stadt Wien für die Sanierung und den Ausbau des Hanappi-Stadions sowie die Errichtung einer Nachwuchsakademie zugesagt wurden, ging ein Aufschrei durch die Sportklub-Fanszene. Eine eilig verfasste »Petition zur Rettung des Sportclub-Platz« machte die Runde und wurde bisher von 2.200 Fans unterschrieben.


Parallel dazu gerieten auch die Pläne der Stadt hinsichtlich des baufälligen Stadions in den Fokus. Diese sehen eine Umwidmung des Grundstücks vor, auf dem die Friedhofstribüne steht. Der Neubau soll mit einem Wohnprojekt verknüpft werden. »Es musste eine ökonomisch vertretbare Variante gefunden werden. Die Kosten für die Sanierung sind ja sehr hoch«, sagt Sportstadtrat Christian Oxonitsch zum ballesterer. »Von daher war es naheliegend, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen also zeitgemäße Infrastruktur für den Verein auf der einen und Wohnraum auf der anderen Seite zu schaffen.« Mit der Ausarbeitung des Vorhabens wurde die stadtnahe Baugenossenschaft ARWAG beauftragt, die auch schon beim FavAC und dem 1. Simmeringer SC Wohnprojekte am Fußballplatz realisiert hat. »Die Friedhofstribüne soll ihren eigenständigen Charakter behalten. Darüber soll ein Wohnhaus entstehen«, sagt ARWAG-Sprecher Stefan Hawla. In drei Türmen will der Bauträger bis zu 50 Wohnungen unterbringen, im Erdgeschoß sowie unter der zukünftig überdachten Tribüne sollen Klubräumlichkeiten, Umkleidekabinen, sanitäre Einrichtungen und ein Fanlokal entstehen. Eine Fertigstellung hält die ARWAG frühestens Anfang 2015 für möglich. Zu den kolportierten Gesamtkosten von acht bis zehn Millionen Euro will sich Hawla nicht äußern: »Es wird viel geredet.«

 

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