Die Fiorentina konnte sich in Folge im Spitzenfeld der Eliteliga etablieren. Vittorio Cecchi Gori versuchte das Hoch für sich zu verbuchen. Statt vor ihm verbeugte sich das Kollektiv jedoch lieber vor der argentinischen Torfabrik Gabriel Batistuta, der dem violetten Trikot auch in der zweiten Liga treu geblieben war. Für »Batigol« hüllte das CAV die gesamte Kurve in die Farben Argentiniens, baute ihm eine Statue und übernahm sogar die Patenschaft eines Sterns im Weltall.
Die Rebellion der Ultras
Mit dem Verkauf von Batistuta im Mai 2000 eröffnete der Medienmagnat Cecchi Gori den Krieg mit den Ultras. Diese standen konsequent auf der Seite des Stürmers, der seinen Abgang nach Rom mit fehlendem Vertrauen in die Pläne des Präsidenten begründete. Ein Molotow-Cocktail auf einen der Fernsehsender Cecchi Goris beantwortete dessen Untat, die aber nicht die letzte bleiben sollte. Im Sommer 2001 folgten weitere Spielerverkäufe. Der Konkurs konnte gerade noch abgewendet werden, während Cecchi Gori trotz gegen ihn laufender Gerichtsverfahren im Amt blieb und auf ein lukratives Übernahmeangebot wartete. Die abgewirtschaftete Fiorentina schlitterte derweil dem Abstieg entgegen. Im Dezember besetzten aufgebrachte Fans das Vereinsheim und verlangen den Abgang des Despoten. »Wir hoffen, bald wieder zur Normalität zurückzukehren, damit wir einfach nur Fans sein können«, kommentierte Stefano Sartoni vom CAV damals die Aktion.
Am Tag darauf statteten 300 Tifosi dem Präsidenten in seiner Villa einen Besuch ab, die Fankurve betrieb nahezu die gesamte Saison 2001/02 einen Stimmungsboykott. Im letzten Heimspiel blieb die Curva Fiesole menschenleer. Unwissende Touristen, die den Kick aus der Kurve sehen wollten, wurden von erbosten Ultras verjagt. Das CAV organisierte Demonstrationszüge, bei denen bis zu 30.000 Menschen den Rücktritt von Cecchi Gori fordern. Dank Justiz und Ultras trat er letztendlich ab, doch mittels Konkursverfahren verschwand auch die Fiorentina kurzfristig von der Bildfläche. Der neu gegründete Verein durfte nach dem Meistertitel in der vierten Liga eine Liga überspringen. Von der Serie B glückte via Entscheidungsspiel in der vergangenen Saison die Rückkehr ins Oberhaus.
Trotz sportlicher Achterbahnfahrten hat das »Collettivo« die in den letzten Jahren eintretende Erosion eingesessener Ultra-Gruppen schadlos überstanden und ist mittlerweile schon über ein Vierteljahrhundert alt. In den letzten Jahren hat sich die aus der autonomen Linken entsprungene Gruppe aber immer mehr von den Idealen der Anfangszeit entfernt. Als Resultat sind rassistische Schmähungen farbiger Gegenspieler aus der Fiesole zu hören, gegen die das Kollektiv nichts unternimmt. Politisches Bewusstsein blieb beim Streben nach Einfluss auf der Strecke. Nichtsdestotrotz trat das CAV über die Jahre hinweg als eine enorm gut organisierte Gruppe in Erscheinung, deren oft radikale Aktionen die Anhängerschaft zu einem wesentlichen Machtfaktor in der Vereinspolitik machten. Mitunter deshalb wurde die Curva Fiesole zum Sinnbild für die Eigenständigkeit italienischer Fankurven.






erscheint am 12. Juli 2013.
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