Im Zeichen des Davidsterns

Von Baron Rothschild bis Austria-Präsident Böhm prägten Juden den österreichischen Fußballsport. Gab es auch einen »jüdischen Fußball«?

Michael John | 03.03.2009
In Wien reicht die Gründung des ersten Fußballvereins in das Jahr 1894 zurück. Als einer der Unterstützer des »First Vienna Football Club«, kurz Vienna, galt der jüdische Baron Rothschild. In der Habsburgermonarchie waren die Bedingungen für Juden im Fußballsport günstiger als im deutschen Kaiserreich im mitteleuropäischen multinationalen Staat lebten wesentlich mehr Juden als im Nachbarland, das Reservoir für Spieler, Funktionäre und Zuschauer war daher weit größer.

In beiden Staaten galt jedoch eine wichtige Grundvoraussetzung: Die aufkommende Sportart Fußball war nicht von der alteingesessenen deutschnationalen Turnbewegung dominiert. Fußball war noch kein Massensport und bildete einen gewissen gesellschaftlichen Freiraum, ebenso wie andere damals neue Sportarten wie Schwimmen, Hockey, Eishockey und Wasserball. Präsident des altösterreichischen Fußballverbandes war mit Ignaz Abeles ein in Prag und Wien lebender assimilierter Jude.

Antisemitismus und Selbstbehauptung
1909 wurde in Wien der Sportverein Hakoah (hebr. Kraft) gegründet. Ziel war das Training der physischen Kräfte und die Stärkung des jüdischen Selbstbewusstseins. Die Gründung der Hakoah war einerseits eine Reaktion auf den damals bereits rassistisch argumentierenden Antisemitismus, der Juden auch im Sport massiv diskriminierte. Andererseits war sie charakteristisch für den Einstieg jüdischer Sportler und Funktionäre in vergleichsweise innovative Sportarten.

Hakoah stand innerhalb des Judentums für eine zionistische bzw. jüdisch-nationale Linie. Man bezog sich auf das »Muskeljudentum« im Sinne des Zionisten und Arztes Max Nordau, der sich gegen »Degeneration und Entartung« wandte. Wohl nicht zufällig war der Mitbegründer und Hakoah-Präsident Dr. Ignaz Körner ebenfalls Arzt. Das frühe Engagement von Juden in diversen »harten«, »männlichen« Kampfsportarten hing wohl auch mit der Ansicht zusammen, man könne dadurch dem in der Mehrheitsgesellschaft und auch im Judentum selbst verbreiteten Klischee der »Effeminierung« (Verweiblichung) des jüdischen Körpers nachhaltig entgegenwirken.

Jüdische Fußballer begannen vor allem in den 1920er Jahren Schlagzeilen zu machen. Der Sport boomte, Zehntausende strömten zu den Spielen. Für die jüdischen Spieler bedeutete dies auch die Konfrontation mit offenem Antisemitismus. Die Wiener Morgenzeitung berichtete im November 1923 über »Schimpforgien, in denen das Wort Saujud immer wiederkehrte. Es vergeht fast kein Wettspiel, bei dem die Hakoahner nicht in der niedrigsten Weise beschimpft und bedroht werden. Auf dem eigenen Sportplatz in der Krieau muß eine Kolonne berittener Wachleute aufgeboten werden, um die Zuschauerhorden in die Schranken zu weisen.«

Beim Spiel Wörgl gegen Hakoah Innsbruck kam es zu Beschimpfungen der Hakoah-Mannschaft; als zwei jüdische Spieler verletzt und die Drohungen des Publikums immer stärker wurden, traten die Innsbrucker ab. Das Match zwischen dem zionistischen Verein Hasmonea und dem Josefstädter S.F. in der Wiener 2. Klasse wurde infolge von Spieler- und Zuschauerausschreitungen abgebrochen. Neben rassistischen Anspielungen waren in den zeitgenössischen Zeitungen und Magazinen einschlägige Behauptungen zu lesen, wonach es »jüdischen Spielern nur ums Geld ginge«; »sie seien reich«, »die meisten Juden doch unsportlich«, kurzfristige Meisterleistungen »mit Geld erkauft«.

1925 konnte das Hakoah-Starensemble mit Béla Guttmann den ersten österreichischen Meistertitel der Profis erringen. Es gibt Hinweise, die nahelegen, dass die Hakoah-Spieler beim Gewinn des Meistertitels »übermotiviert« waren. Im Fall der Hakoah oder auch anderer jüdischer Mannschaften, wie etwa Makkabi Brünn, galt es eben zu zeigen, dass Juden in diesem Sport nicht unterlegen, sondern womöglich besser als die anderen Mannschaften waren. Zudem konnte man auf dem Spielfeld dem üblichen, teilweise sehr massiven Antisemitismus entgegentreten


Lesen Sie den gesamten Artikel in der Printausgabe des ballesterer (Nr. 40/März 2009) Ab sofort österreichweit in den Trafiken sowie im deutschen und Schweizer Bahnhofsbuchhandel!

Referenzen:

Heft: 40
Rubrik: Thema
ballesterer # 82

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