Die Spieler des »zweiten Wunderteams«

Karl Deckers Mannschaft rekrutierte sich aus einer großartigen Fußballergeneration, die eine ideale Mischung aus Routine und Jugend verkörperte. Von Kapitän Hanappi bis Zweitligakicker Rafreider, die Erfolgsmannschaft im Überblick.
Clemens Zavarsky | 12.03.2012
Gerhard Hanappi, der Liebling der Nation
(geb. 16. Februar 1928, gest. 23. August 1980)
Hanappi war auf dem Feld ein Multitalent: taktisch hervorragend, kämpferisch herausragend, und trotz seiner Größe von nur 1,65 Meter im Kopfballspiel schwer zu schlagen. Schon im Alter von 16 Jahren war er die Sensation von Wacker, der Durchbruch gelang ihm nach einem umstrittenen Wechsel bei Rapid. Bis auf den Tormannposten durchlief er im Nationalteam alle Positionen und kam auf 93 Einsätze (12 Tore). Als Architekt entwarf Hanappi das Weststadion des SK Rapid, das ein Jahr nach seinem Tod nach ihm benannt wurde.

Karl Koller, der Rackerer
(geb. 8. Februar 1929, gest. 24. Jänner 2009)
1949 kam Koller von Blumau zur Vienna und bildete zuerst mit Ernst Ocwirk und dann mit Gerhard Hanappi ein unschlagbares Bollwerk im Mittelfeld der Nationalmannschaft. Koller strotzte vor Ehrgeiz und Energie und war für seinen Einsatz für junge Kollegen bekannt. Von zahlreichen ausländischen und inländischen Vereinen umworben, blieb er immer bei der Vienna. Ein unermüdlicher Rackerer, in der Defensive wie in der Offensive. 86-mal trug er das Teamtrikot.

Helmut Senekowitsch, der Riese
(22. Oktober 1933; gest. 9. September 2007)
Der bullige Riese Senekowitsch kam über Sturm Graz ins Nationalteam und über Umwege zur Vienna. Von Decker wurde Senekowitsch als Pendelstürmer eingesetzt, der Abwehr und Angriff gleichermaßen unterstützen sollte. 1978 führte er Österreich als Teamchef zur WM nach Argentinien.

Horst Nemec, der Goalgetter
(geb. 25. Jänner 1939, gest. 23. Juli 1984)
Der Stürmer der Wiener Austria gilt als Kopfballgenie. Zeit seines Lebens kämpfte Nemec mit seiner Flugangst, die in den 1960er Jahren sogar einen Transfer zum AC Milan verhinderte, und seinem Gewicht, das er mit Gewaltkuren zu senken versuchte. Nach einer weiteren Radikaldiät erlag einer der besten Stürmer Österreichs (29 Länderspiele/16 Tore) im Alter von 46 Jahren einen Lungeninfarkt.


Erich Hof, der »kleine Sindelar«
(geb. 23. August 1936; gest. 25. Jänner 1995)
Spielintelligent, hohes technisches Können, Übersicht in allen Lagen, schweigsam Eigenschaften, die den gelernten Mittelstürmer Hof an Matthias Sindelar erinnern ließen. Als er 1968 fünf Tore beim 7:1-Sieg gegen Zypern erzielte, verließ der Sport-Club-Spieler das Wiener Stadion durch die Hintertür, anstatt sich von den Fans feiern zu lassen. Er schoss die meisten Tore in der Decker-Ära (16 Treffer; insgesamt 28 Tore in 37 Länderspielen). Zwischen 1982 und 1984 war Hof österreichischer Teamchef.

Karl Stotz, der Abwehrchef
(geb. 27. März 1927)
Nach vier Jahren in russischer Kriegsgefangenschaft kehrte der Stalingradveteran Stotz nach Österreich zurück. Über Jahre war der Austrianer ein fixer Bestandteil der österreichischen Abwehr und galt als einer der besten Verteidiger Europas. In der Decker-Ära war Stotz der ruhende Pol in der Verteidigung. 1982 führte er Österreich als Teamchef zur WM nach Spanien, wurde aber vor dem Turnier vom ÖFB entlassen.

Gernot Fraydl, die Spinne
(geb. 10. Dezember 1939)
Fraydl war der kongeniale Nachfolger von Kurt Schmied im Tor der Nationalmannschaft, wechselte 1961 vom GAK zur Austria. Zu Beginn der 1960er Jahre galt er als wahrer Meister des modernen Tormannspiels: Kaum einer beherrschte den Strafraum so gut wie er. 1966 hatte er einen Vorvertrag bei Arsenal London unterschrieben, erhielt aber keine Arbeitsbewilligung. Von 1968 bis 1970 spielte er zwei Jahre in der deutschen Bundesliga bei Hertha BSC.

Heribert Trubrig, der Außenpracker
(geb. 1. Oktober 1935)
Die LASK-Legende Trubrig trug unter Karl Decker zehnmal das Teamtrikot und gehörte neben Karl Stotz zu den verlässlichen Arbeitern in der Verteidigung. Dem LASK, für den er mehr als 400 Spiele absolvierte, blieb er bis zu seinem Karriereende treu.

Friedrich Rafreider, der Vorarlberger
(geb. 24. Februar 1942; gest. 16. September 2007)
Rafreider debütierte als Zweitligakicker des FC Dornbirn im Alter von 19 Jahre im Team von Karl Decker und spielte bis 1963 vierzehn Mal im A-Team. Legendär ist das Siegestor des offensiven Mittelfeldspielers beim 1:0-Sieg gegen die Sowjetunion 1961 in Moskau.

Walter Skocik, das Teambaby
(geb. 6. September 1940)
Der Rapid-Spieler feierte gemeinsam mit Rudi Flögel und Verteidiger Walter Glechner unter Karl Decker sein Debüt im Nationalteam und war lange Zeit das »Teambaby«. Bis 1967 kam der Mittelfeldspieler auf 14 Länderspiele für Österreich.

Referenzen:

Heft: 70
Rubrik: Thema
ballesterer # 115

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