Läuse und Flöhe

cache/images/article_1922_pennwieser_140.jpg Sommerzeit ist Trainingslagerzeit. Nicht nur für die Profis, sondern auch für den Nachwuchs. Kinder bringen von solchen Camps auch mal eine Laus, seltener einen Floh mit nach Hause. Kein Grund zur Panik, aber Grund zur Behandlung.

Wolfgang Pennwieser | 14.08.2012
Wenn ein Arzt zum anderen sagt: »Man kann Läuse und Flöhe haben«, meint er damit gar nicht Läuse und Flöhe per se. Der Spruch ist vielmehr eine Metapher für den diagnostischen Zugang zu einem Problem. Wenn jemand zum Beispiel Bauchschmerzen hat, wird von Medizinern gerne eine Gastritis diagnostiziert und entsprechend mit Magenschutzmedikamenten behandelt. Bessert sich das Magenweh darunter aber nur kaum, muss man auch Diagnosen in Betracht ziehen, die außerdem möglich sind. Man sucht also nicht nach einer anderen sprich Differenzialdiagnose , sondern nach einer zusätzlichen Erkrankung. Will man einen Kollegen darauf aufmerksam machen, dass der Patient noch ein weiteres Leiden haben könnte, etwa eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, und will man das Ganze elegant und vorsichtig mitteilen, wählt man diesen Vergleich. Auf den Fußball bezogen bedeutet das: der Kreuzbandriss als Laus und dazu die Meniskusläsion als Floh. Man meint also nicht den parasitären Befall durch die Kopflaus (Pediculus humanus capitis) und den Menschenfloh (Pulex irritans), obgleich es auch diese Tiere zu beachten gilt.

Laus Raus!
Ein Befall mit Läusen ist selbst unter hygienisch einwandfreien Bedingungen möglich und nicht unbedingt Zeichen von Wasserscheue. Besonders im Sommer sind vor allem Kinder immer wieder von Läusen besiedelt. Nicht selten kommen die Knirpse vom Trainingslager nach Hause und kratzen sich wie wild. Der typische Übertragungsweg für die Laus ist enger Kontakt mit einem von Kopfläusen befallenen anderen Kind. Am Kopf saugen die Läuse dann alle zwei bis vier Stunden Blut und vermehren sich. Eine weibliche Laus produziert bis zu 300 Eier, die sie an die Haare klebt. Diese Nissen findet man, wenn man genau schaut, vor allem im Nacken, hinter den Ohren und an den Schläfen.
Lausbefall muss behandelt werden, sonst drohen Ekzeme oder bakterielle Infektionen. Die Therapie zieht sich über zwei Wochen und ist eine Mischung aus Haarewaschen und Auskämmen der Nissen. Wichtig ist, dass bei der Therapie gegen Läuse nur ein Läusemittel verwendet wird. Nimmt man nach dem Motto »Viel hilft viel« mehrere Lausmittel gleichzeitig her, erreicht man keine höhere Erfolgsquote nur eine höhere Nebenwirkungsquote.

Flohzirkus
Der Floh springt ebenfalls von Mensch zu Mensch oder seltener vom Hund auf den Menschen und heutzutage noch seltener von der Ratte auf den Menschen. Früher haben die Rattenflöhe den Pesterreger übertragen und dadurch großes Unheil verbreitet. Flöhe haben den Menschen aber auch Freude gebracht: Im Flohzirkus wurde etwa die Sprungkraft der Flöhe bewundert. Mit ihren speziellen Hinterbeinen können sie bis zu einen Meter weit springen. Ganz ordentlich stechen und beißen tun sie außerdem typischerweise in nebeneinanderliegenden Reihen. Intensiver Juckreiz und Hautirritationen meist an den Unterschenkeln sind die Folge. Katzen- und Hundeflöhe können auch den Menschen befallen. Betroffene Haustiere müssen daher mit Halsbändern behandelt werden. Der Menschenfloh ist im Gegensatz dazu und im Unterschied zur Laus durch den hohen Hygienestandard in den Industrieländern weitgehend ausgerottet worden.
Wen also der Kopf und das Wadl jucken, der kann Läuse und Flöhe haben. Sehr wahrscheinlich ist das aber nicht. Wahrscheinlicher ist da schon, dass man sich beim Fußballspielen das Kreuzband reißt und gleichzeitig den Meniskus lädiert und der Arzt dann tröstend meint, man könne eben auch Läuse und Flöhe haben.

Referenzen:

Heft: 74
Rubrik: Serien
ballesterer # 82

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 12. Juli 2013.

Abo bestellen

Newsletter


RSS Feed abonnieren

Leserbrief

an den ballesterer