Blasen

Während der DFB die Wahl der Fußballschuhe im September liberalisiert hat, lässt sich die österreichische Nationalmannschaft diese Entscheidung weiterhin vom Ausrüster diktieren. Eine mögliche Erklärung für die desolaten Vorstellungen der ÖFB-Elf könnte das Tragen ungewohnten Schuhwerks sein. Denn schmerzhafte Blasen an den Füßen sind dadurch oft die Folge.
Wolfgang Pennwieser | 09.05.2008
Lehmann Jens hat sich erneut durchgesetzt. Nachdem er Kahn den Titan zur Nummer 12 degradiert und sich die Position zwischen den Pfosten des deutschen Tores gesichert hatte, gewann er nun gemeinsam mit Klose Miroslav und Freunden den »Schlappen-Streit« gegen »adidas«. Lehmann darf wie auch alle anderen Nationalspieler seit September die Schuhe und Handschuhe seines persönlichen Sponsors tragen. Dass dieser Deal durch das Naheverhältnis zwischen Bierhof Oliver und einem siegesgöttlichen Sportartikelhersteller erleichtert wurde, ist Spekulation.
Abseits dieser Mutmaßung und neben dem augenfälligen finanziellen Profit für die Spieler, wurde versucht, auf der Sachebene zu argumentieren. Die freie Schuhwahl sei eine Notwendigkeit, um die Gefahr der Blasenbildung zu bannen, hieß es. Sensible Fußballerfüße reagieren mitunter irritiert auf wechselndes Schuhwerk. Eine Meinung, der sich auch ein Großteil der Mediziner anschließt, wie eine Diskussion im Rahmen des »Klangwolkensymposiums« einer Fortbildungsveranstaltung für Sportärzte Anfang September in Linz zeigte.

 

Pusteblume

 

Wie das deutsche Magazin »Der Spiegel« berichtete, ist die österreichische Nationalmannschaft die einzige, die vertraglich gezwungen ist, mit den Schuhen des Ausrüsters und Sponsors aufzulaufen. Die inferioren Leistungen unserer Nationalelf lassen vermuten, dass es durch die rot-weiß-roten Schussstiefel zum Florieren von eitrigen Blasen kommt. Mit Blick auf die EM 2008 sollte der Teamchef auch einen unter die Socken seiner Spieler werfen. Möglicherweise sind die wahren Gründe hinter den Absagen von Pogatetz Emanuel und Scharner Pauli nicht mimosenhafte Animositäten sondern handfeste Blutblasen an den Füßen der Englandprofis.

 

Bullae und Kalb

 

Eine Blase (lat. »Bulla«) besteht aus Blasenboden, -inhalt und -dach. Sie ist definitionsgemäß ein über das Hautniveau erhobener flüssigkeitsgefüllter Raum. Bei der Therapie derselben ist sich die Ärzteschaft einig, dass man sich uneinig ist. Eine Umfrage an der unfallchirurgischen Abteilung des Krankenhauses Tulln erbrachte die Erkenntnis, dass jede Blase individuell zu behandeln ist. Je nach Lokalisation, Symptomatik, Größe und Art der Blase wird über das Verfahren von Patient zu Patient entschieden. So sind Scheuerblasen, die durch lange Trainingseinheiten oder neues Schuhwerk meist an den Fersen vorkommen, unvergleichlich schmerzhafter und dadurch symptomorientiert zu behandeln. Im Gegensatz zu Spannungsblasen unter einem Gipsverband, die dem Patienten normalerweise nicht wehtun.
Nicht jede Blase muss punktiert oder abgetragen werden. Wenn man sich doch zu einer Blaseneröffnung entschließt, hat dies unter sterilen Bedingungen zu geschehen. Bei der Punktion wird mit einer Nadel die Flüssigkeit abgelassen und das Blasendach quasi als Schutzverband belassen. Ein Pflasterl mit einer geeigneten Heilsalbe stellt den Abschluss der Behandlung dar. Das Taschenmesser, mit dem vorher die Kalbsleberwurst aufs Brot geschmiert worden ist, oder der rostige Nagelzwicker sind demnach für einen häuslichen chirurgischen Eingriff ungeeignet. Dabei kann es nämlich zu Infektionen kommen, der Genesungsprozess wird so unnötig verzögert. Denn normalerweise heilt eine Blase komplikationslos nach einer Woche aus und es kann die richtigen Schuhe vorausgesetzt wieder eifrig ballestert werden.  

Referenzen:

Heft: 24
Rubrik: Serien
ballesterer # 82

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Der nächste ballesterer fm erscheint am 12. Juli 2013.

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