»Wir rufen die Schweiz«

cache/images/article_1851_mail-anhang_140.jpg Hurra, wir sind nicht dabei! Es ist EM ohne die Schweiz! Einfach wunderbar! Das bedeutet: schöne Spiele genießen, ohne dass einem irgendetwas tief drinnen sagt, man müsse die eigene Mannschaft unterstützen, obwohl deren Spielweise nicht mal annähernd etwas mit dem zu tun hat, was man als guten Fußball bezeichnen würde.
Mämä Sykora | 16.05.2012

Seit 2008 führt Ottmar Hitzfeld die Geschicke der »Nati«, mittlerweile lassen sich nicht einmal die am heftigsten von seinem großen Namen Geblendeten noch von seinen hilflosen Versuchen, sein Deutsch zu verschweizerischen, besänftigen. Eine einzige ansehnliche Halbzeit kriegte die Truppe in seiner Amtszeit hin. Und zwar im Wembley gegen England, als die EM-Qualifikation ohnehin schon gelaufen war. Sinnigerweise waren das genau die 45 Minuten, die ich nicht sehen konnte, weil mein Bruder just in diesem Moment seine Hochzeitsansprache hielt.

 

Für den Rest der Spiele unter dem bestverdienenden Nationaltrainer der Welt gibt es viele Adjektive, jedoch kein einziges positives: langweilig, ideenlos, unkreativ, übervorsichtig, langsam, mutlos, traurig die Liste ließe sich endlos fortsetzen. So etwas wollen wir bei einer EM nicht sehen, und dank des grandiosen Scheiterns gibt es nun eine Endrunde ohne oktroyierte Euphorie wie 2008. Durch die Abwesenheit der Schweiz gewinnt diese EM auf jeden Fall an Attraktivität.

 

Polen gegen Griechenland? Balsam für die nach so vielen Hitzfeld-Spielen verkümmerten Fußballrezeptoren. Ukraine gegen Schweden? Fußball von einem anderen Stern!
Leider wird die Lust nur kurzzeitig zurückkehren. Denn mit dem Abschieben von Hitzfeld in die Schweiz haben die Deutschen auch ihr legendäres Losglück abgegeben. Während auf Joachim Löw in der Ukraine die Todesgruppe wartet, sind die größten Brocken für die Schweiz in der WM-Qualifikation 2014 Norwegen und Slowenien. Ich hoffe, bis dahin heiraten ganz viele meiner Freunde, damit ich mir das nicht anschauen muss.

 

Mämä Sykora ist Chefredakteur des Schweizer Fußballmagazins »Zwölf«.

Referenzen:

Heft: 72
Rubrik: Kommentare
ballesterer # 82

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