Untermieter und Oberrealisten
Um die Vorurteile zu entkräften, die Führung des GAK hätte im Stile anderer, wesentlich renommierterer, Mannschaften das Trainingsgelände zur Aufbesserung des Geldbörsels an die Stadt verkauft, sei erwähnt, dass die Athletiker seit ihrem Bezug des Areals neben der Mur stets nur bessere Untermieter waren.
Der Ursprung der fußballerischen Aktivitäten in der Körösistraße 57 ist zeitlich nahezu gleichzusetzen mit der Gründung des Grazer AK im Jahr 1902. Um die Jahrhundertwende begab sich eine Gruppe fußballbegeisterter Schüler unter dem Namen »Vereinigte Oberrealisten « auf die Suche nach einer geeigneten Wiese und wurden bald fündig. Zwischen Körösistraße und der Mur lag der bevorzugte Spielplatz und befand sich zu dieser Zeit im Besitz des »Älteren Grazer Bäcker-Mühlen-Konsortiums«. Um die entgangene Heuernte zu kompensieren und einen umgehenden Einstieg ins Immobiliengeschäft zu tätigen, wurde der Platz um 500 Kronen an die Mutter von Carl Markel verpachtet, einer der Gründer des GAK.
Weitere 500 Kronen wurden in die Planierung des Platzes seitens der »Oberrealisten « und ihrer Gönner (also großteils den Eltern) investiert und am 8.August 1902 wurde im »Stiegl-Bräu« in Graz der »Grazer Athletik Klub« gegründet. Einen Monat später erlebte das spätere Casino- Stadion sein erstes offizielles Spiel, dass der GAK mit 4-1 gegen den Ödenburger FC für sich entscheiden konnte. Ein frühes fußballerisches Kuriosum trug sich bereits im Jahre 1905 im GAK-Stadion zu: Der erste internationale Auftritt der Athletiker. Gegen die »London Pilgrims«schnupperten die Hausherren Profiluft und obwohl das Spiel mit 2-9 verloren ging, war der weitere Weg zur Professionalität geebnet.
Kartoffelfeld und Militärgelände
Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs stellte der GAK, wie viele andere Fußballvereine, den Spielbetrieb ein. Die Lorbeeren des ersten Titelgewinns, der Erwerb des »Silberpokals der Grazer Messe« 1913 währten also nicht allzu lange. Der Heimstätte drohte wieder zu einem Agrargelände zu werden: Aufgrund des akuten Nahrungsmittelmangels sollte die Anlage als Kartoffelfeld dienen. Argumente für einen Fortbestand als Sportstätte waren angesichts der Umstände Mangelware und so schloss ein GAK Funktionär ein skurriles Abkommen mit der örtlichen Militärverwaltung, um den Platz zu retten. Die Vereinbarung darüber, das Stadion als militärisches Übungsgelände zu nutzen, löste für einen bestimmten Zeitraum nicht nur das Problem Mietfinanzierung sondern sicherte dem GAK auch eine anschließende Restaurierung des Rasens zu.
Ins schwarze Feindland
Als sich der GAK in der Zwischenkriegszeit sportlich weiter im steirischen und österreichischen Fußballgeschehen etablierte, stand 1922, auch als Konsequenz zum anwachsenden Zuschauerinteresse, eine Generalsanierung der alten Holztribüne, der späteren »Osttribüne«, an. Die neue Anlage wurde am 1.Mai im selben Jahr mit einem 3-0 Erfolg in einem Freundschaftsspiel gegen Simmering eingeweiht.
In dieser Kulisse sollten die Athletiker bis 1951 ihre Heimspiele austragen. Fußballerisch ging es in diesem Zeitraum weiter bergauf und im besagten Jahr gelangte die Aufforderung des ÖFB über den Semmering an die Mur, man möge das Stadion doch bitte A-Liga tauglich umgestalten. Das »Grazer Bäcker-Mühlen-Konsortium «, das noch immer Grundbesitzer der Anlage war, erteilte unter der Auflage einer erhöhten Pachtsumme die Erlaubnis das Stadion auszubauen. Doch der GAK suchte und fand im ASVÖ (Allgemeiner Sportverein Österreich) einen Käufer und somit einen neuen »Vermieter«.
Die neue Version des Casino-Stadions hielt sich immerhin bis 1975, als die »roten « Grazer nach einem 3-0 Sieg über Stockerau dem traditionell »roten« Norden von Graz den Rücken kehrten und um sich für elf Jahre im Liebenauer Stadion im »schwarzen« Süd-Osten einzuquartieren. Die Situation erwies sich besonders bitter, als der GAK mit dem Gewinn des ÖFB-Cups 1981 den bisher größten Erfolg der Klubgeschichte nicht in seinem traditionellen Stadion feiern konnte.
Umzug nach Kapfenberg und kurze Rückkehr
Um den Rhythmus für Umbauten und Renovierungen einzuhalten, hieß das Zielgebiet für die Baugesellschaft wieder Körösistraße 57-59 und 1986 fand der »GAK Ringschuh« zum vorletzten Mal wieder zurück an die Mur. Inzwischen hatte das Stadion die letztgültige Form angenommen und wurde auf der Ost-, West- und Südseite von einer Tribüne umgeben, um ein Fassungsvermögen von 9.000 Zusehern aufzuweisen. An der Nordseite ragte ein hoher Wohnblock, dessen Bewohner seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs an jedem Heimspielsamstag außerordentlich viele Besucher zu beklagen hatten. Denn einen derartigen, kostenlosen Überblick über ein Grazer Fußballfeld hatte man sonst nur zu Messebetrieb am höchsten Punkt diverser Hochschaubahnen über die angrenzende »Gruabn«, der ehemaligen Heimstätte des SK Sturm.
Eben in einem Meisterschaftsspiel gegen den Stadtrivalen am 13. April 1996 konnte der GAK mit Hilfe von Einwegzusatztribünen mit 13.000 Besuchern die höchste Zuseherzahl in der Geschichte des Casino-Stadions verzeichnen und dankte es den Fans mit einem neuerlichen Umzug. Dieses Mal, unter dem Vorwand, das Casino-Stadion sei für TV-Übertragungen ungeeignet, sollte es die Grazer in das Stadion von Kapfenberg ziehen. Dort konnte auch bei Topspielen und ansatzweise ansprechenden Besucherzahlen keine wirkliche Stimmung aufkommen. Noch vor dem Ende der Saison 1996/97 erklärte der GAK das Experiment Alpenstadion Kapfenberg für beendet und es folgte für vier Spiele eine letzte Heimkehr auf den originalen GAK-Platz.
Als man sich am 3. Juni 1997 vor 3.000 Zusehern von der Wiener Austria mit 0-0 trennte, war sowohl den Spielern, als auch der Anhängerschaft bereits bewusst, dass nun endgültig das letzte Pflichtspiel auf der Wiese zwischen Mur und Körösistraße stattgefunden hatte. Der Grazer Athletik Klub zog gemeinsam mit dem SK Sturm Graz nach Liebenau, wo wenig später der zukünftige Gouverneur von Kalifornien das nach ihm benannte neue Stadion einweihte.






erscheint am 12. Juli 2013.
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