Barometer: Das Kärnten-Spezial

Das ballesterer-Barometer beschreibt den Stimmungsgrad in der Redaktion, ist völlig subjektiv und erhält seinen aktuellen Wert durch merkwürdige Zahlenspiele. Diesmal zusammengestellt von Stefan Kraft.

Nein, nein, nein, MARIO CANORI, weltbekanntester SK Austria-Kärnten-Präsident, Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, dass wir dieses Mal auf Sie vergessen würden, wie Sie der Rest des Landes bald vergessen wird. Das heben wir uns für später auf, sagen wir: Mai 2009ff. Doch dieses mal, Calafatti, heißts in unserem Barometer ohne weiteres Umhergeschweife: Tätäterätä, lei lei, juhu und GRATULATION allerherzlichst zu Ihrem sagenhaften Wahlergebnis von

3,76 Prozent


bei der Kärntner Landtagswahl. (+5)

Aber sagen Sie, Catastrophski, was verstehen Sie eigentlich genau unter dem Wort »Spitzen«-Kandidat? Könnten Sie das z. B. buchstabieren? »Schockiert perplex irritiert traurig zerrüttet einsam neidisch«? Und wie sollen wir Sie in Zukunft ansprechen? »Mister 100.000 wollt (ich, aber leider haben mich nur 13.383 gewählt)«? Aber trösten Sie sich: J. H., der Mentor, Mensch, Freund, Lebensbruder, oder auf welche betuliche Weise man das gerade in Ihrem Bundesland umschreibt, auf dass es jeder kapiert außer der Stammwählerschaft, hatte ja nur 1,8 Promille bei seinem Rollout, während Sie !

Ja, ja, Cameradi, was waren das noch für glückliche Zeiten zwei Wochen vor der Wahl, als Sie wie üblich völlig unverkrampft mit einem FUSSBALLSCHAL über Ihrem mein Gott wie teuren Anzug (wie gegensätzlich, wie herausfordernd dieser Stil!) der Kärntner Woche auf die Frage »Und wenn Sie doch den Einzug in den Landtag verfehlen? « die doppelbödige Antwort gaben: »Das ist denkunmöglich.«

Ach wissen Sie, Canetti, Kärntnermund tut so oft Weisheit kund, aber in Ihrem Fall ist es schon faszinierend, in welcher Regelmäßigkeit bachmannpreiswürdige Satzfragmente aus dem Mund purzeln. (Aber wen wunderts, die Dame hat ja, wie Sie, auch nur bei 3,76 Prozent der Kärntner Bevölkerung Anklang gefunden.) Auf Ihr Verhältnis zum Strache angesprochen, entwerfen Sie etwa folgendes Gedankengeflecht: »Ich bin im Ton moderater, kann aber im Inhalt jeden einzelnen Punkt unterstreichen. Es kann nicht sein, dass gut ein Drittel aller Asylwerber in Kärnten ein Drogenproblem hat, und dass wir pro Monat zwischen 10.000 und 12.000 Euro pro Kopf und Nase in die Therapie eines Asylwerbers stecken.«

Unter uns, Camorri: Wir halten es nach diesen Aussagen und dem langen Beobachtungszeitraum, den Sie in dieser Rubrik schon verbringen, für gar nicht denkunmöglich, dass für ein Drittel aller Kärntner FPÖ-Spitzenkandidaten und Fußballpräsidenten eine THERAPIE um 10.000 bis 12.000 Euro pro Monat gar nicht verfehlt wäre, damit sie Kopf und Nase wieder freibekommen und nicht davon halluzinieren, dass man Punkte im Inhalt unterstreicht oder Sie eines Tages in den Kärntner Landtag kommen. (-1)

Denn Ihr Platz, Canari, ist doch eher in der Führungsetage des SK Austria Kärnten, den ca. 3,76 Prozent aller Fußballfans auch kommende Saison noch in der Bundesliga sehen wollen, und Sie tun ja derzeit alles, um dem Wunsch der Mehrheit zu entsprechen. Dass die Klagenfurter SPÖ und ÖVP ihre Haftungszusagen für Ihren Verein gar nicht gegeben haben, erfuhren Sie »aus der Kleinen Zeitung. Ich bin baff.«

Woher hätten Sies denn erfahren sollen, Calamari? Sie sitzen ja nicht einmal mehr im Gemeinderat! Aber wie Sie schon von Ihrem Gottseibeiunsmenschenfreund gelernt haben: Wenn nichts geht, kann man immer noch drohen. Zum Beispiel damit, »keine Lizenzunterlagen« einzureichen. Wir persönlich hätten wenig Angst bei dem Gedanken, das Bedrohungspotenzial wäre in etwa so hoch wie jenes, keinen Sitzplatz zu finden in der HYPO GROUP ARENA (oder sagen wir: keine freie Sitzplatzreihe, die umrahmt wird von zwei freien Sitzplatzreihen und einem menschenleeren Stiegenaufgang) aber zum Glück springt in solchen Fällen der von Ihnen, Cawasaki, so verschmähte Landeshauptmann Gerhard »der fein gerippte Negerwitz« Dörfler ein. Erklärte doch dieser Faschingsprinz, die SPÖ und ÖVP müssten bei Rücknahme weiterer Geldinfusionen in den Retortenverein von Lebensmensch Gnaden »der Öffentlichkeit den Tod des Spitzenfußballs in Kärnten erklären«. (-2)

Dieser, Caprioli, liegt aber schon viele, viele Jahre zurück und passierte in einer Zeit, als Sie noch Damenunterwäsche vercheckten, noch kein Spitzenkandidat waren und sich nicht mit Ihrem STADIONSPRECHER herumärgerten. Hatte der doch in der Pause des Spiels gegen die Red Bulls nicht nur dem LH »Ein bisschen Spaß muss sein mit den Negern« Dörfler zum »fulminanten Sieg« gratuliert, sondern obendrein verkündet, Klagenfurt werde »auch noch den richtigen Bürgermeister« bekommen. Nämlich den des BZÖ. Und das in Ihrem Stadion, Candidati! Sie sind doch gar nicht beim BZÖ, Sie sind bei den anderen, den Muffi-Schlümpfen, dem falschen Pferd, den unteren Dreizehntausend!

Sie sind doch ach, vergessen wirs einfach, Sie geben die Lizenz zurück, wir schreiben nie wieder ein böses Wort über Sie. Sie machen wieder ganz viele bunte 3D-PowerPoint-Folien für die Business-Partner und zählen die Geldsäcke Tag aus, Tag ein, wir kümmern uns wieder um den Fußball, und im Sommer treff ma uns dann auf den einen oder anderen Herrenwitz und fahren unsere Phaetons mit 3,76 Promille durch dieses schönste und reizendste Spitzenbundesland. So wir Sie nicht vergessen haben. Capito, Canori? (+3)

Referenzen:

Heft: 41
Rubrik: Kommentare
ballesterer # 82

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Der nächste ballesterer fm erscheint am 12. Juli 2013.

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