Auch wenn Baumgartner den falschen Vergleich wählt, steht hinter seinem Populismus die richtige Frage: Was braucht eine Stadt wie Wien? Und was will sie sich leisten? Dass dazu auch das Hanappi-Stadion gehört, sollte sich einfach argumentieren lassen: Jugendliche Fans haben damit einen der wenigen verbliebenen gesellschaftlichen Freiräume, die Stadt ein sportliches Aushängeschild. Alle zwei Wochen treffen sich zehntausende Menschen an diesem Ort, der genau wie eine Parkanlage oder eine U-Bahn-Station zeitgemäß, angenehm und sicher sein sollte.
Sportstadtrat Christian Oxonitsch verteidigt die Förderung in der Höhe von 17,7 Millionen Euro mit einem klassischen sozialdemokratischen Argument: Ein saniertes und größeres Hanappi-Stadion werde mehr Zuschauer anziehen, die durch mehr Konsum die Wirtschaft ankurbeln und die Kassen klingeln lassen. Speziell die Kassen von Rapid und das ist das Besondere an dem Stadiondeal. Rapid wird ab Mitte 2012 Pächter statt wie bisher Mieter des sanierten Stadions sein. Der Verein erhofft sich durch eine selbst verwaltete Stadiongastronomie und die geplanten Skyboxen neue Einnahmequellen. Präsident Rudolf Edlinger sagt, endlich sei man Herr im eigenen Haus. Damit wird dem aktuellen Trend im europäischen Klubfußball, Stadien als Einnahmequellen zu nutzen, auf Umwegen entsprochen. Die für den Verein zu teure Sanierung wird von der Gemeinde getragen, die daraus resultierenden Gewinne fließen in die dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit des privaten Vereins.
Oxonitsch verweist auch darauf, dass die Austria mit der gleichen Summe gefördert werde wie Rapid. Und unterstreicht damit, dass die Stadt eine populäre Entscheidung getroffen hat: für die beiden Großvereine. Dass es in Wien neben der Austria und Rapid noch mehr Fußballkultur gibt, zeigt die Initiative »Rettet den Sportclub-Platz«. Natürlich bewegt der Sportklub weniger Fans als Rapid und die Austria, dennoch lebt gerade sein Stadion von seiner sozialen Funktion: Die Fans haben eine alternative Szene aufgebaut, gestalten den Klub aktiv mit, engagieren sich in integrativen Projekten und betreiben ein eigenes Beisl im Stadioninneren. Die Spiele ihrer Mannschaft müssen sie jedoch von einer vor sich hinschimmelnden Friedhofstribüne aus verfolgen, die letzte große bauliche Maßnahme am Stadion setzte die Stadt im Jahr 1984. Ebenso wie bei Rapid ist hier also dringender Renovierungsbedarf gegeben.
Wie bei Fußballrivalitäten üblich wird die Förderung für den einen Verein gerne als himmelschreiende Ungerechtigkeit gegenüber dem anderen angesehen. So auch in der Diskussion um die Sanierung des Hanappi-Stadions. Dabei sollte es jedoch nicht um ein populistisches gegeneinander Ausspielen gehen, denn im Endeffekt stellt sich immer die gleiche Frage: Was braucht eine Stadt wie Wien? Die richtige Antwort wäre: Rapid, den Sportklub und ein funktionierendes AKH.






Der Beschluss zur Sanierung des Hanappi-Stadions ruft Populisten auf den Plan: Zu teuer sei die Renovierung, andere hätten das Geld dringender nötig.
erscheint am 12. Juli 2013.
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