Gelegentlich frage ich meinen Vater, was er am 21. Juni 1978 gemacht hat. Doch er weiß
es nicht. Wenn das Wort »Cordoba« fällt, sagt er »Ach« und »War nicht so wild. Frag mal Leute, die dabei waren.« Ich traf Rolf Kramer, der 1978 für die ARD kommentierte. Was man wissen sollte: Kramer ist ein Reporter der ganz alten Schule, einer, der sich immer in Unparteilichkeit übte. Erinnert sei nur an die WM 1986, bei der er nach einem Treffer der Deutschen jubelte: »Jetzt eine Zugabe!« Erschrocken über seinen Ausbruch korrigierte er sich umgehend: »Entschuldigung, das klingt vermessen.« Wer, wenn nicht er konnte mir eine klare Sicht auf den 21. Juni 1978 liefern. Doch dann sagte auch er nur: »Ach.«
Also redeten wir über anderes. Stunden vergingen, da beugte er sich schließlich vor und
sprach mit gedämpfter Stimme: »Rolf Rüssmann stand nach der Österreich-Pleite allein vor dem Stadion. Das Team hatte ihn vergessen. Er weinte.« Ich wollte mich nun dankbar ob dieser ehrlichen Worte ebenso konspirativ vorbeugen. Doch der weise Mann lehnte sich wieder zurück. Ich nickte. Ganz recht, Herr Kramer! Das gehört nicht zu unserer Erzählung.
Andreas Bock ist Redakteur beim Fußballmagazin »11FREUNDE« und einziges Mitglied im HSV-Fanklub »Okonski Youth«.






Gelegentlich kommt es vor, dass mich Freunde fragen, was ich in der Nacht des 24. Juli 1987 getan habe. »Eine gute Frage«, sage ich dann und berichte, wie ich sechs Stunden und 21 Minuten vor dem TV-Gerät geklebt bin. Boris Becker traf im Davis-Cup auf John McEnroe.
erscheint am 12. Juli 2013.
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