Groundhopping

Estádio da Luz
06-12-2004
Zuschauer: 10.000
Resultat: 2-1
Gastautor | 06.03.2006
Vom Flutlicht erleuchtet strahlt das Estádio da Luz in den Nachthimmel von Benfica, größter Stadtteil von Lissabon und Heimat von Sport Lisboa e Benfica. Als wollte die Stadionverwaltung die vorweihnachtliche Lichtorgie in der Stadt noch übertrumpfen, wirkt die hypermoderne Fußballschüssel wie ein riesiges illuminiertes UFO. Anlässlich der EURO 2004 hingestellt, spielt sie alle Stücke und entspricht dem Trend, Stadien als Erlebniswelten zu konzipieren. Das Da Luz könnte problemlos auch in Gelsenkirchen stehen. Lokalkolorit und Charme bleiben allerdings auf der Strecke. Ein schönes Beispiel dafür sind die Ticketautomaten, vor denen die Benfica-Fans geduldig Schlange stehen. Der Maronibrater daneben erscheint beinahe schon anachronistisch. Drinnen ist es blitzsauber aufgeräumt, fast steril. Die Fans wirken ein wenig wie Fremdkörper, so als ob sich Stadion und Mensch erst aneinander gewöhnen müssten. Aber das wird schon noch werden.
Ob´s mit Benfica selbst noch etwas wird in dieser Saison, bleibt allerdings fraglich. Seine Titelambitionen verbirgt das Team - obwohl in der Tabelle gut dabei - an diesem kühlen Dezemberabend meisterlich. Der Nachzügler aus dem nahen Badeort Estoril geht bereits in der 4. Minute in Führung, dann plätschert die Partie auf hohem technischen Niveau dahin, bis Simão den Ausgleich erzielt. Der Jubel der Menge geht jedoch rasch in Zorn über, als der Schiri einen Benfica-Akteur mit Rot vom Platz stellt. Obwohl nur etwa 10.000 gekommen sind, ist es extrem laut. Gar nicht auszudenken wie infernalisch der Lärm sein muss, den 65.000 in einem ausverkauften Stadion machen.
Kurz vor der Pause zeigt das Donnergrollen Wirkung. Der Unparteiische pfeift einen Elfer - Estoril ist fassungslos, Benfica staunt. Simão nimmt die milde Gabe an und stellt auf 2:1. In der zweiten Hälfte passiert nicht mehr viel. Und so kann das Auge abschweifen zum Spielfeldrand: Im Ruhezustand ist der Benfica-Trainer nicht identifizierbar, seine Gestik verrät ihn jedoch sofort. Trappatoni tobt die Coaching-Zone entlang. Grandios! [gv]

Referenzen:

Heft: 16
Rubrik: Groundhopping
ballesterer # 82

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