Vor Spielbeginn wird das Publikum vollgedudelt mit Liedern aus der Tonkonserve. Gesungen werden die Ajax-Lobpreisungen von offenbar naturdichten Menschen in Holzschuhen, die ich vor meinem geistigen Auge sehen kann. Warum geniere ich mich eigentlich für »Torjägerzeit« von den Schürzenjägern? Gegen das hier ist der Song doch ein echter Burner. Kurz vor Spielbeginn schaltet der DJ um auf Bauern-Techno. Ist der Ajax-Fan eigentlich frei von jeglichem Musikgeschmack?
Dann werden endlich die Spieler im ausverkauften Stadion empfangen. Allerorts kommen Davidsterne zum Vorschein, israelische Fahnen werden gehisst. Ein Fetzen verkündet »Rinus Michels Stadion«. AZ darf gleich zu Beginn ein Tor bejubeln, die überschaubare Menge im Auswärtssektor wird ganz schön laut. Danach spielt aber nur noch Ajax ab der 45. Minute sogar mit einem Mann mehr. Jedes Mal, wenn die Rot-Weißen treffen, geht ein markerschütternder Aufschrei durch die Arena. Sie machen sie richtig fertig, kennen keine Gnade. Sechsmal darf ich dieses Schauspiel bis zum Schlusspfiff erleben.
Beim Abgang betrete ich noch den Fanshop, um meine internationale Fußball-Kaffeehäferlsammlung zu bereichern. Die Fans stehen in Sechserreihe Schlange. Ganz beeindruckend ab und zu, die große Welt. Allerdings freue ich mich ab Mitte Februar auch schon wieder auf eine Maurerforelle oder Pommes in der Linzer Stadion-Erlebnisgastronomie. Dort kann man wenigstens bar zahlen. Man muss die Vorteile nur zu schätzen wissen. [espo]






erscheint am 12. Juli 2013.
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