Diese sorgen dafür, dass das Spiel mit fast einer halben Stunde Verspätung anfängt. Es wird viel von Selbstbestimmung und einer friedlichen Zukunft gesprochen. Auch die jüngste Vergangenheit ist Thema: Zwei Teamspieler sind bei den Angriffen der israelischen Armee im Winter in Gaza ums Leben gekommen. Der Auftritt des Popstar-Ensembles mit der Sängerin Shadia Mansour an der Spitze wird wegen der Mittwochsreden auf die Halbzeitpause verlegt. Die Musiker mühen sich auf einer eigenen Tribüne ab und revanchieren sich, indem sie noch ein Zeiterl in die zweite Hälfte hineinrappen.
Überhaupt scheint die gut gemeinte Benefizveranstaltung unter der Annahme einer bevorstehenden gefährlichen Konfrontation organisiert worden zu sein: islamistische Terroristen gegen gewalttätige Hooligans? Karten gab es nur im Vorverkauf, das Gebiet rund ums Stadion wird von Unmengen Polizisten abgeriegelt, sämtliche Fahnen auf den Tribünen sind verboten. Ein Reporter des öffentlichen Rundfunks überrascht uns mit der Frage, was uns bewogen hat, zu diesem Hochrisikospiel zu kommen.
Die Terroristen entpuppen sich jedoch großteils als freundliche Familien aus dem arabischen Raum, vereinzelt sind kleine Gruppen alternativer Belgier mit Palästinenserschal zu sehen, ein paar Dutzend junger Palästinenser versuchen, Stimmung zu machen. Die Molenbeeker Hooligans sind überhaupt nirgends auszumachen, sie sitzen wohl daheim und schauen Champions League.
Die Stimmung bleibt lau. Nur in den Schlussminuten dringen Sprechchöre bis zum Rasen, als Palästina, das ständig einem Rückstand nachläuft, noch ein Tor aufholt und beherzt weiterkämpft. Wir betrachten das Szenario als bescheidenen Anfang in der Hoffnung auf eine noch weit entfernte glücklichere Zukunft und lächeln dem kleinen Buben neben uns zu, der kulanterweise sein Palästinafähnchen bis zum Ende schwenken darf.






06-05-09
erscheint am 12. Juli 2013.
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