»O Derbi« steht kurz bevor, doch davon künden im U-Bahn-Wagen vorerst nur einige in grün-weiße Schals gewickelte alte Knaben. Campo Grande ist nicht nur wichtiger Verknüpfungspunkt hauptstädtischer Verkehrsströme, sondern auch Standort des Estadio José Alvalade. Vor dessen Toren: akkurat formierte Schlagen auf Einlass wartender Menschen. Der Portugiese erweist sich hier ganz als Brite. Alt und Jung sind gekommen, Freund und Freundin ebenso wie Kind und Kegel. Die Atmosphäre ist so entspannt wie möglich und so aufgeladen wie nötig. Hoch auf den steilen Tribünen erweist sich die Sicht vom obersten Rang verdienter Lohn nach langem Treppenstieg als ganz ausgezeichnet.
Die Sitzplätze sind frei wählbar praktisch, wenn man früh genug erscheint. Das Ende des Lieds: Auch die Stufen sind gut bevölkert. Doch das stört niemanden wirklich und Aufsichtspersonal, das opponieren könnte, ist nirgends zu sehen. Rechts zeigt sich ein ganzes kompaktes Tortenstück voller Roter, doch während des Spiels wird sich zeigen, dass auch im überwiegend von Sporting- Anhängern bevölkerten Bereich eine erkleckliche Anzahl Benfiquistas verstreut ist. Viel zu lachen bekommen sie nicht. Die Abwehrmänner ihres Teams erweisen sich als sagenhaft schlecht sortiert. Wie tapsige Bären wandeln die Riesenlackel, und wie Häschen hüpfen sie an Kopfbällen vorbei. Kein Wunder, dass Sporting rasch führt. Hätten die Gastgeber sich danach nicht einem himmelschreienden Müßiggang hingegeben, wäre alles rasch entschieden gewesen. Bei allen organisatorischen Missständen darf die Hauptsache aber keinesfalls unter den Tisch fallen: den Ball nämlich, den wussten (beinahe) alle Mann schon zu streicheln. Die Dreiecksbeziehungen waren ebenso häufig wie innig, Doppel- und Triplepässe feierten fröhliche Urständ. Call it Spielfreude, Baby!






erscheint am 12. Juli 2013.
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