Drogheda ist ein 30.000 Einwohner zählendes Städtchen rund 60 Kilometer nördlich von Dublin. Die meisten Touristen zieht es nicht wegen des im Mittelfeld der obersten Spielklasse dahinvegetierenden Drogheda United FC hierher, sondern wegen der Nähe zu Newgrange, einem zum Weltkulturerbe erklärten, rund 5.000 Jahre alten jungsteinzeitlichen Hügelgrab. Ich aber möchte beide Sehenswürdigkeiten an einem Tag erledigen: auf der einen Seite eine stille Begräbnisstätte inmitten einer Wohnsiedlung, die nur selten durch die tief stehende Sonne ausreichend ausgeleuchtet wird und in der sehr wenige lebendige Menschen unbequem Platz finden und auf der anderen Seite Newgrange. Der Hunky Dorys Park, der laut offiziellen Angaben 2.000 Besucher fasst, liegt derart unauffällig inmitten eines kleinstädtischen Wohngebiets, dass ich beim ersten Versuch, ihn zu finden, gleich einmal daran vorbeifahre.
Im Stadion versuche ich mir einzureden, dass hier Retro-Charme versprüht wird: Hinter den Toren gibt es keine Zuschauerplätze, sondern auf der einen Seite eine Hausmauer und auf der anderen eine Straße. Und die beiden Längstribünen haben wohl seit der Vereinsgründung 1979 keinen aktiven Handwerker mehr gesehen. Der Zustand der Toiletten schrammt hart an der Menschenwürdigkeit vorbei, und so etwas wie eine Anzeigentafel suche ich vergeblich.
Der Zuschauerandrang hält sich ebenfalls in Grenzen. Nicht mehr als 500 Fans haben sich an diesem lauen Montagabend hierher verirrt davon rund 15 Away-Fans aus dem 300 Kilometer entfernten Cork und immerhin rund 40 »Absolute Ultras«. Letztere bemühen sich zwar redlich, so etwas wie Stimmung zu machen, aber auch deren Supportansätze gehen in der allgemeinen Lethargie unter. Bei Rugby, Gaelic Football und Hurling ist hierzulande weitaus mehr los. Das mag aber auch daran liegen, dass bei diesen drei Sportarten der Ausschank von Bier im Gegensatz zur heutigen Fußballveranstaltung erlaubt ist.
Wenigstens hört man die Spieler deutlich miteinander schreien, das hat durchaus etwas Familiäres. Man fühlt sich irgendwie wie daheim in der Regionalliga was in etwa auch die fußballerische Qualität des dargebotenen Kicks beschreibt. Das Spiel endet mit einem gerechten 1:1, und ich kaufe mir als Souvenir die Dress der Gäste. Corks Brustsponsor hat mich überzeugt: »Clonakilty Black Pudding« Mahlzeit!






21. Mai 2012
erscheint am 12. Juli 2013.
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