AFC Wimbledon Southport FC

cache/images/article_1601_img_1670_140.jpg 22-01-11
Kingsmeadow
Zuschauer: 3.408
Resultat: 5-0
Holger Hörtnagl | 04.03.2011
Auf dem Weg ins Stadion bin ich umringt von einer grauhaarigen Gang von 15 »Wombles« in gelb-blauen Schals und Outfits, ausgestattet mit Gehstock und/oder Hörgeräten. Mit dem AFC Wimbledon hat offenbar Tradition in die fünfte englische Liga Einzug gehalten. Am Stand angelangt, ändert sich das Bild. Es springen und singen kleine, in Vereinsfarben bemalte Nachwuchs-»Dons« um mich herum. Die harten Jungs haben ihre Nische hinter einem Tor gefunden, der Rest des Stadions bietet eine bunte Mischung aus allen britischen Bevölkerungsschichten. Doch weg von der Demografie zum Wesentlichen: dem Versuch eines Fußballspiels.


Der Ball berührt in den ersten 45 Minuten selten den Rasen und verlässt einige Male das Stadion, um in einem der angrenzenden Schrebergärtchen zu landen. Im Sekundentakt erfreuen Kopfballduelle mit ausgefahrenen Ellbogen die knapp 3.500 Zuseher. Die magere 1:0-Führung zur Pause beunruhigt niemanden in der Schlange zur Tea Bar.


In der zweiten Halbzeit nimmt die Stimmung durch den Spielverlauf volksfestmäßige Züge an. Ein euphorischer Platzsprecher verkündet, dass heute über 500 Schals (neuer Vereinsrekord) verkauft wurden, was mich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und Briten in nach unseren Maßstäben maximal herbsttauglichen Outfits, nicht wundert. Wichtige Einnahmen für den Fanverein. Bei Durchsicht des Programmhefts lerne ich über die kreative Vermarktung des »Dons Trust«: Fans können angefangen vom Match über den Spielball bis hin zur Socke eines Spielers so ziemlich alles sponsern.


Die familiäre Atmosphäre erreicht mit dem 3:0 durch Sam Moore ihren Höhepunkt. Ein jetzt sichtlich gerührter Ansager lässt uns wissen, dass Sammys Großmutter heute ihren Geburtstag feiert, und das nach überstandener langwieriger Krankheit. Vinnie Jones Erben »kicken und rushen« die Partie sicher nach Hause. Angenehm muss es auch sein, wenn man in der fünften englischen Liga als Außenverteidiger Robbie Williams heißt und bei einem Abstiegskandidaten spielt. Die Nummer 15 des Auswärtsteams schafft es jedoch tatsächlich 90 Minuten lang, die bei jeder seiner Ballberührungen einsetzenden Schmähgesänge zu ignorieren. Die beste Leistung bei den Gästen am heutigen Tag.


Mit steifem Nacken von den vielen hohen Bällen und mit ungefähr zehn verschiedenen Robbie-Williams-Melodien im Kopf begebe ich mich summend auf den Weg zurück ins Touristen-London. Cheers Dons!

Referenzen:

Heft: 60
Rubrik: Groundhopping
ballesterer # 82

Der nächste Ballesterer

Der nächste ballesterer fm erscheint am 12. Juli 2013.

Abo bestellen

Newsletter


RSS Feed abonnieren

Leserbrief

an den ballesterer