In Anlehnung an die WM 2006 in Deutschland machte man sich bei »football4all« daran, mit der UEFA über barrierefreie Zugänge zu den Stadien und entsprechendes Service im Stadion zu verhandeln. Schließlich konnten sich Britta Wagner und ihr Team über ein Kontingent von 160 ermäßigten Karten für Blinde und Sehbehinderte freuen (plus noch einmal so viele für die Begleitpersonen), denen je ein Radio-Empfängsgerät für entsprechende Live-Kommentare zur Verfügung gestellt wurde.
Daniele war bei zwei Spielen dabei: einmal in Salzburg und dann beim Halbfinale zwischen Spanien und Russland in Wien. Als gebürtiger Italiener hatte er auf eine andere Paarung gehofft: »Ich muss aber ehrlich sagen, dass sich Italien den Aufstieg nicht verdient hätte.«
Die Zugänge zu den Stadien waren für Daniele problemlos, er lobt die Organisation. »In Salzburg war es mir aber zu laut. Ich musste mir zu Beginn beide Ohren zuhalten, weil ich es nicht aushielt.« Daniele bedauert, dass heute die Lärmbelästigung generell und besonders im Stadion oft unerträglich sei. Für einen Sehbehinderten werden laute Nebengeräusche schnell zur Qual.
Das Halbfinale in Wien sei für ihn ein außerordentlich gutes Spiel gewesen, die Atmosphäre fantastisch. Den starken Regen zu Beginn nennt er als Grund, dass nicht schon früher ein Tor gefallen sei. »Es war aber unglaublich, dass der Rasen überhaupt so gut bespielbar war.«
Neben dem erwähnten Radio-Empfangsgerät gehört für den stark sehbehinderten Fußballfan ein Fernglas zur Ausrüstung. Damit kann er zumindest teilweise mitverfolgen, was auf dem Rasen abläuft. »Eines der drei spanischen Tore habe ich live gesehen. Von den beiden anderen die Wiederholung«, sagt Daniele, »die Megascreens sind für das Fernglas sehr praktisch.«
Das ständige Suchen mit dem Fernglas ist allerdings extrem anstrengend, gute Kommentatoren sind daher besonders wichtig. Mit einem der beiden Spezialisten des Fußball-Fanclubs Blinder und Sehbehinderter, die über den Radio-Empfänger kommentierten, war er nicht restlos zufrieden: »Ein guter Kommentator erzählt, was er sieht. Zu viele Nebeninfos z. B. welcher Spieler bei welchem Verein spielt lenken zu sehr ab.« Bei den Fernsehkommentatoren in Österreich und Deutschland vermisse er detaillierte Beschreibungen: »In Italien sind die viel besser. Oder in Argentinien.«
Am Ende des Gesprächs steht die Erkenntnis, dass die Verbesserungen nicht nur Sehbehinderten, sondern auch allen anderen zugute kommen könnten. Das gilt für die schon üblichen Screens in den Stadien wie für eine weniger aufdringliche Pausenbeschallung oder für Kommentatoren, die z. B. wesentlich öfter den ballführenden Spieler erwähnen. Denn wir sollten nicht vergessen, dass unter den vielen österreichischen Fußballfans, die regelmäßig vor dem Fernseher sitzen, nicht wenige sehbehindert oder sogar vollblind sind.






Wie sehen Blinde oder Sehbehinderte ein Fußballspiel? Gar nicht, würde man vielleicht meinen. Weit gefehlt! Britta Wagner von der
erscheint am 12. Juli 2013.
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