Oder auch nicht. Nehmen wir mal die Riesenbrillen. Die Brille ist im europäischen Wertesystem mehrdeutig: Einerseits klar, ein Symbol von Intellektualität, andererseits aber auch von Schwäche, schließlich muss sie eine Sehbehinderung korrigieren. Was die Riesenbrillen in Südafrika dagegen symbolisieren? Keine Ahnung. Aber möglicherweise dies: Seit vielen Jahren rufen Hilfsorganisationen dazu auf, alte Brillen nach Afrika zu schicken. Nun kriegen wir sie eben einfach zurück per Fernsehbild, bunt und in Übergröße. Ebenso sind die selbst bemalten »Fanhelme«, die auf die eingewanderten Minenarbeiter zurückgehen sollen, weniger ein Produkt des FIFA-Marketings als der gemeinsamen Geschichte Afrikas und Europas, in der der eine Kontinent sich die Bodenschätze des anderen einverleibt hat.
Das sollte statt für die x-te Anti-Vuvuzela-Tirade doch für eine Hausarbeit im nächsten Postcolonial-Studies-Seminar reichen. Fazit: Das Subalterne spricht vielleicht nicht, aber es trötet, trägt Brille und organisiert Weltmeisterschaften.






WM-BLOG Nicht nur durch die Vuvuzelas, auch andere Elemente südafrikanischer Fußballfolklore irritieren europäische Ohren und Augen. So schmücken sich Fans im Stadion und auf den Straßen gerne mit riesigen Brillen aus Plastik. Warum nur? Ganz einfach: Its postcolonial, stupid!
erscheint am 12. Juli 2013.
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