ballesterer fm: Herr Professor, welche Informationen sind rund um das »DFB Scouting Projekt« besonders wichtig?
Jürgen Buschmann: Es geht bei der Analyse um die einzelnen EM-Teilnehmer und nahezu um sämtliche Verhaltensmuster im Fußball, um individual-, gruppen- und mannschaftstaktische sowie emotionale. Wie sieht das Abwehrverhalten der einzelnen Teams aus? Wie verhält sich eine Mannschaft nach Rückstand? Wie sieht die Körpersprache aus? Wie ist man bei Standardsituationen aufgestellt? Welches sind die Stärken und Schwächen der einzelnen Spieler? Dazu haben wir qualitative Merkmale gesammelt.
Was haben Sie außerdem herausgefunden?
Ergänzt wird jede Analyse durch allgemeine Informationen zu den Teilnehmerländern, beispielsweise zur Erwartungshaltung an das Team und zur Sichtweise der Medien. Hierzu wurden Quellen aus dem Internet, Tageszeitungen und Sportmagazine der einzelnen Länder ausgewertet und die verschiedenen Botschaften in Deutschland befragt.
Klingt ein bisserl nach Spionage...
Keineswegs! Sicher, einige Botschaften haben abgelehnt, weil sie ihr Land nicht »ausspionieren« wollten, aber wir haben nicht, unterhalb der Gürtellinie recherchiert, sondern uns primär an sportliche Sachen gehalten und an die Dinge, die in den einzelnen Ländern auch veröffentlicht wurden.
Wie viele Studenten arbeiten an dem Projekt, wie hoch ist das Arbeitspensum?
Insgesamt arbeiten 36 Studenten mit, das bedeutet, dass für jedes Land zwei Leute abgestellt sind. Pro Spiel fallen zwischen sechs bis acht Stunden Arbeit an.
ballesterer fm: Wie sieht eine fertige Analyse aus?
Die schriftliche Expertise zu jedem Spiel umfasst rund 20 Seiten plus eine DVD. Jedes einzelne Spiel wird beschrieben, Aussagen werden mit den entsprechenden Timecodes belegt, sodass man das entsprechende Merkmal auf der DVD überprüfen kann. Am Montagnachmittag ging die Analyse über den möglichen Endspielgegner raus. Alle EM-Spiele von Russland und Spanien werden nachgereicht, weil die letzten Informationen zu diesen Teams noch vor der Abreise der deutschen Mannschaft nach Ascona stammen. Dann sollte es eigentlich klappen mit dem Finale...






Die heimlichen Helfer der deutschen Nationalmannschaft sitzen an der Sport-Hochschule Köln. Dort wertet das »DFB Scouting Projekt« Informationen für Löw & Co. aus. Was für die Deutschen wirklich wichtig ist, verrät der Projektleiter im ballesterer fm-Interview.
erscheint am 12. Juli 2013.
Abo bestellen