Bei einem Abstieg in die Regionalliga würden die Rotjacken in der Meisterschaft auf den SV Allerheiligen treffen. Das ist die aktuelle Mannschaft von Martin Six, einem der größten GAK-Talente der letzten Jahre. Ebenso wie die Roten aus dem Norden von Graz startet der gebürtige Kärntner derzeit einen Neuanfang und ist zu Saisonende so richtig in Schwung gekommen. »Ich bin zurzeit wirklich ambitioniert«, sagt der 21-jährige Offensivspieler, »jetzt in Allerheiligen habe ich wieder Freude am Fußball. Das war nicht immer so.«
Kein Vorbeikommen an Bazina und Skoro
Nach der Meistersaison 2003/04 verfügte der GAK über eine eingespielte Mannschaft, deren Grundformationen Trainer Walter Schachner verständlicherweise nur im Ausnahmefall änderte. Trotzdem holte der Ex-Schnauzbart aus St. Michael in der Obersteiermark den aus St. Michael im Lavanttal gebürtigen Spitzbartträger Martin Six zu dessen Überraschung im Sommer 2004 in den Kader der Kampfmannschaft. Dort waren jedoch die Stürmerpositionen mit Roland Kollmann, Mario Bazina und Neuzugang Alen Skoro fix vergeben. Obwohl Skoro keineswegs überzeugte, reichte es für Six in der ganzen Saison nur zu einem Kurzeinsatz. Im zentralen offensiven Mittelfeld oder hinter den Spitzen, den Lieblingspositionen des sympathischen Germanistik-Studenten, waren die Stammleiberl auf Martin Aufhauser und Samir Muratovic verteilt.
Als die Rückkehr in die nur in der steirischen Landesliga spielende GAK-Amateurmannschaft bevorstand, wechselte Martin Six als Kooperationsspieler zum SV Kapfenberg. Im Rückblick stelle sich immer alles anders dar, meint der Lavanttaler, »aber ich war damals nicht mit dem letzten Willen dabei, Profi zu werden, und hatte den Eindruck, meilenweit von einem Stammplatz entfernt zu sein. Nach einem halben Jahr war Schachner weg vom GAK und die Spieler, die noch mit mir bei den Amateuren gespielt haben, sind in den Kader hinauf gekommen. Da wäre es gescheiter gewesen, durchzuhalten.«
Fortgesetztes Schnauzer-Problem
Der Schritt zum SV Kapfenberg erwies sich zunächst als positiv, spielte sich der Linksfuß im Herbst 2005 doch sofort in die erste Formation der Obersteirer. In der Winterpause stellte ihn Trainer Hans-Peter Schaller jedoch ohne Angabe von Gründen aus der Mannschaft. Six kam während des gesamten Frühjahrs nur zu Kurzeinsätzen. Beim Abschied aus Kapfenberg meinte Schnauzbart Schaller lapidar, das hätte mit anderen Gründen als seiner Leistung zu tun. Näher wollte er sich dazu nicht äußern.
Ob die Rotzbremsenaffinität seiner Trainer eine Rolle spielte, sei dahin gestellt. Zurück bei den GAK-Amateuren wurde Six jedenfalls vom schönen Harry Gamauf gecoacht, der sich keine modische Verfehlungen nachsagen lassen kann. Mit wenig Spielpraxis im Gepäck wollte Six die Mannschaft zum Aufstieg in die Regionalliga führen und Profitrainer Lars Söndergaard auf sich aufmerksam machen. Doch diese Motivation verpuffte in dem völlig umgekrempelten jungen Team, und Six fand erst im Winter 2007 mit dem Wechsel zum SV Allerheiligen eine neue Herausforderung.
Jugendliche Bilderbuchkarriere
Ein Blick auf den Werdegang von Martin Six verdeutlicht, dass der Dorfklub Allerheiligen trotz seiner beachtlichen Erfolge der letzten Jahre nicht die Wunschdestination des bescheidenen Kreativspielers sein kann. Über den ATSV Wolfsberg und den FC St. Michael/Lav. kam Six mit 15 zufällig ins damalige GAK BNZ nach Graz. Seine Schwester hatte den Link der Kooperationsmittelschule im Internet gefunden und ihrem Bruder geraten, sich doch zu bewerben. Die Anmeldefrist war bereits abgelaufen, dennoch nahm man den schon in der Kärntner Auswahl spielenden Flügelstürmer auf – und wurde belohnt. Er war laut Meinung eines Mitspielers »ein Aushängeschild der GAK-Akademie« und wurde von dieser auch entsprechend vermarktet. Six spielte nicht nur als Stammspieler und Kapitän in allen GAK-Jugendmannschaften seiner Altersklasse, sondern wurde auch mehrmals ins U17-Nationalteam einberufen. Dort spielte er mit heute bereits im A-Team auflaufenden Spielern wie Christoph Leitgeb, Thomas Prager und GAK-Verteidiger Thomas Lechner zusammen. »Trotz verpasster Qualifikationen waren wir ein wirklich guter Jahrgang«, räsoniert Six, »wir haben die Schweizer, die damals U17-Europameister geworden sind, im Vorfeld der EM zweimal geschlagen.«
Spielmacher gesucht
Martin Six gilt als universell einsetzbar, spielte in der Jugend zunächst Flügelstürmer und dann in der offensiven Viererkette, fühlt sich aber als zentraler Spielgestalter hinter den Spitzen am wohlsten. Der fast schüchterne Student aus dem Lavanttal wird einsilbig und nachdenklich, als er im Interview zugibt, dass er der Kandidat auf der Spielmacherposition des GAK gewesen sei und diese Spielertypen den Athletikern im Kleinen und dem österreichischen Fußball im Allgemeinen fehlen. Diese Einschätzung stimmt laut GAK-Ikone Werner Gregoritsch auch mit der über Six bestehenden Meinung in der Trainerszene überein: »Von den Kollegen hört man eigentlich nur Gutes. Er soll einen wirklich begnadeten linken Fuß haben und das Spiel lesen und führen können. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich Martin höflich und zuvorkommend präsentiert. So stellt man sich einen jungen Spieler vor.«
Der Vertrag von Martin Six mit dem GAK läuft im Sommer aus. In Anbetracht der Abgänge sämtlicher zentraler Offensivspieler der vergangenen Saison, drängt sich eine Verlängerung beinahe auf. In den Kader jener jungen Mannschaft der Roten, die Mitte Mai das für längere Zeit letzte Grazer Stadtderby bestritten hat, würde Six als gereiftes Talent optimal passen. Bis jetzt hat sich jedoch noch niemand gemeldet aus der Weinzödlstraße. Zur Information an Thomas Hösele und andere Verantwortliche in den Management-Etagen der heimischen Bundesligaklubs: Die Telefonnummer von Martin Six liegt in der ballestererfm-Redaktion auf.






erscheint am 6. Oktober 2010.
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