Solo in Salzburg

Nicht lange währte die Spielgemeinschaft zwischen der Austria und dem Polizei-Sportverein in Salzburg. Befreit von den Fesseln der Partnerschaft, starten die Violett-Weißen als eigenständiger Verein ganz unten einen Neubeginn und brennen auf einen Durchmarsch. Eine Standortbestimmung von SIMON HIRT.
Simon Hirt | 20.08.2006

Beziehungskrisen enden oft in einer Trennung - das gilt auch für Fußballvereine. Die Kooperation zwischen SV Austria Salzburg und dem Polizei-Sportverein dauerte nur eine Rückrunde lang. Auch wenn es an schönen Momenten nicht mangelte, war die Partnerschaft zum Scheitern verurteilt, weil beide Partner eine dominante Rolle für sich beanspruchten.

Die Schnitzelsemmel-Affäre

Aus sportlicher Sicht wurden das anvisierte Ziel, der Klassenerhalt in der 1. Landesliga, erreicht. Auch über die angelockten Fanmassen darf durchaus positiv bilanziert werden. In unübersehbarer Menge und unüberhörbarer Lautstärke trieben die violett-weißen Anhänger ihre Mannschaft voran. Was die vierte österreichische Spielklasse an Fankultur von den Austria-Anhängern geboten bekam, war ein nie zuvor erlebtes Schauspiel.

Auch der Zweite Vizepräsident des Fußballneulings, Thomas Karl, konnte dem Zusammenspiel viel Gutes abgewinnen. »Wir konnten zeigen, dass die Austria mit ihren Fanmassen keine Gefahr, sondern eine Bereicherung für den österreichischen Fußball ist. Ohne dieses halbe Jahr hätten wir es wahrscheinlich nicht geschafft, als eigener Verein beim Verband aufgenommen zu werden«, so Karl gegenüber dem ballestererfm.

Ausschlaggebend für den Entschluss einen eigenständigen Weg zu gehen, waren Machtkämpfe mit dem PSV-Vereinspräsidium, das sich gegen eine Ausgliederung der Fußballsektion auflehnte. »Wir wären keine Zusammenarbeit mit dem PSV eingegangen, hätten wir nicht eine klare Zusage von Präsident Ernst Strasser gehabt, dass er eine Abspaltung unterstützen würde. Im Laufe der Zusammenarbeit ist es zu einem Bruch gekommen, weil der Vorstand des Gesamtvereins befürchtet hat, an Macht zu verlieren«, erklärt Karl.

Deutlich wurden diese Brüche nicht zuletzt in der so genannten »Schnitzelsemmel-Affäre«, dem Vorwurf des Gesamtvereins an die Austria, durch den Verkauf von Schnitzelsemmeln und Getränken vertragsbrüchig geworden zu sein. Eine weitere Belastungsprobe erfuhr das Verhältnis dadurch, dass 200 Mitglieder der Fußballsektion nicht zur Generalversammlung zugelassen wurden. Während die Streitigkeiten zunahmen, verrann die Zeit bis zum Saisonauftakt. Karl: »Wir mussten eine Entscheidung treffen und für uns war klar, dass wir kein weiteres Jahr einen PSV Salzburg unterstützen, der nur violette Dressen trägt.«

Titelkandidat in der zweiten Klasse

Fern ab von animalischen Champions League-Visionen, soll Violett-Weiß nun in Salzburgs 2. Klasse Nord wieder zur Modefarbe gemacht werden. Ein Verein von Fans für Fans, dient dabei als Leitsatz der neuen Austria. Aufstrebende Erwartungen begleiten den Start in die erste Solo-Saison. »Klares Ziel ist der sofortige Aufstieg, wir wollen uns so schnell wie möglich Richtung Landesliga bewegen. Vom Niveau des Kaders her sind wir sicher als Titelkandidat einzuschätzen«, lautet die Vorgabe des Präsidiums. Die finanziellen Hauptträger des Vereins sind seine Anhänger, die ihn durch Mitgliedsbeiträge, Eintrittsgelder und Einnahmen aus dem Fanartikelverkauf am Leben erhalten.

Mehr als 600 zahlende Mitglieder hat die Austria bereits, aber auch Sponsoren sollen helfen, die sportlichen Ziele zu realisieren. »Was das Thema Kommerzialisierung betrifft, muss ich klarstellen, dass wir keine Total-Verweigerer sind. Es ist uns bewusst, dass zu einem Fußballverein auch Sponsoren gehören, aber es gibt klare Grenzen, die wir schon definiert haben, als es noch um Red Bull Salzburg gegangen ist. Der Vereinsname, das Wappen und die Farben sind tabu und das werden sie auch immer bleiben«, so Karl.

Auf die eskapistische Option, welche die verwirklichte Subkultur bietet, greifen nicht nur ultrá-orientierte Fans zurück. Auch ehemalige Sitzplatz-Abonnenten des Lehener-Stadions kommen, um die Austria zu sehen. Was Alter und Geschlecht betrifft, lockt der Verein ein breites Publikum an - laut Karl sind beachtliche 25 Prozent des Publikums weiblich. Um die Erwartungen in der kommenden Saison zu erfüllen, wurde mit dem ehemaligen Austria Salzburg-Spieler August Kofler ein renommierter Unterhaus-Trainer geholt. Ob schon an ein Widersehen mit Red Bull gedacht wird, kommentiert Thomas Karl so: »Die Frage ist, wie lange es die Roten Bullen noch gibt.«

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Heft: 23
Rubrik: Fansektor

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