ballesterer: Man hört beim Training eigentlich die ganze Zeit nur Ilco Naumoski schreien. Wie geht man als Trainer solchen Charakteren um? Hat Naumoski mehr Freiheiten als die anderen? Lassen Sie ihm mehr durchgehen?
Franz Lederer: Ilco ist natürlich ein schwieriger Typ. Er hat seine Auszucker, die ja auch unverzeihlich sind. Aber so ist er nun einmal, ein Rooney hat das genauso. Man muss diese Menschen eben lenken so gut es geht. Natürlich werden sie weiterhin glauben, sie wären die Primadonna.
Wie würden sie sich selbst als Trainer einschätzen: Sind Sie eher der »Feldherr«, der Spielzüge exakt im Kopf hat und diese von seinen Spielern minutiös und detailliert ausgeführt haben möchte, oder sind Sie eher der »Hawerer-Typ«, der seinen Spielern Freiheiten lässt?
Ein Trainer muss seinen Führungsstil der Mannschaft anpassen, nicht umgekehrt. Ich muss analysieren, welche Charaktere da versammelt sind und wie das Gesamtbild der Mannschaft ist. Dann gibt es natürlich noch den kulturellen Aspekt: In Italien arbeiten Trainer sehr streng taktisch. Beim SVM haben wir noch sehr viel Lernpotenzial im taktischen Bereich. Es passieren zu viele Stellungsfehler, die dann auch kollektive Effekte haben. Wenn der Malic zwei Meter daneben steht, hat die Defensive ein Loch. Deshalb ist auch ein kameradschaftlicher Umgang wichtig.
Macht es einen als Trainer stolz, Nachwuchs-Nationalteamspieler wie Lukas Rath, Manuel Seidl und Dominik Doleschal im Team zu haben, die noch dazu sehr erfolgreich sind?
Natürlich! Es ist eine Auszeichnung für die Burschen, die sehr hart an sich arbeiten, aber auch an den Trainerstab und die Akademie. Überhaupt können wir mit stolz darauf verweisen, die Jungen voll in den Kader der Kampfmannschaft integriert zu haben.
Welche Spielertypen bevorzugen Sie? Eher den Kämpfer oder eher den Techniker?
Ausgewogenheit ist besonders wichtig. Das sieht man ja nicht zuletzt bei Real Madrid: die haben vom Spielermaterial das Beste vom Besten, aber in der vergangenen Saison trotzdem nix gerissen. Jeder muss seine Stärken und Schwächen kennen und versuchen, seine Stärken mannschaftsdienlich einzubringen. Der Malic wird nicht versuchen zwei, drei auszudribbeln, das kann er nicht und außerdem wären wir dann hinten offen. Dafür ist er ein echter Kämpfer und solche Leute brauchen wir eben hinten.
Spielen aktuell weniger Burgenländer als früher beim SVM?
Es sind zwar drei Legionäre geholt worden, dafür haben wir aber auch vier abgegeben. Die Transfers für nächste Saison sind alles Österreicher und aus der Akademie kommen ständig neue, junge Burgenländer nach. Wir haben also mehr Österreicher denn je im Kader.
Wieso haben sie vor drei Saisonen von einem 3-5-2 auf ein 4-4-2 umgestellt?
Da gab es eine Phase, in der wir offen waren. Die Abgänge von Christian Fuchs und Didi Kühbauer, die dieses System sehr stark getragen haben, mussten wir erst einmal verkraften. Wir haben dank der Jungen jetzt auch mehr Spieler, die gut über außen gehen können. Alois Höller zum Beispiel und auch Lukas Rath sollen diese Rollen ausfüllen. Generell kann man bei diesem System die Jungen besser einbauen, weil sie einfach lauffreudiger und spritziger sind.
Wird in den anderen Abteilungen, also den Amateuren und der Akademie, auch 4-4-2 gespielt?
Ja.
Was sind die generellen Auswirkungen der neuen Akademie auf den Profi-Kader? Da wurde ja sehr von Seiten des Landes viel Geld in die Hand genommen.
Es kommen junge und hungrige Spieler in den Kader, da darf sich dann auch von den Alten keiner zurücklehnen. Sie müssen immer alles fürs Kollektiv geben. Man darf auch nicht vergessen, dass wir uns die Fuchs- und Kühbauer-Nachfolger ja erst »züchten« müssen. Dafür braucht es eine gute Akademie und eine baldige Heranführung an den Profikader.
Die Atmosphäre beim Training wirkt sehr familiär. Ist ihnen das wichtig?
Ja, davon leben wir ja. Da hinten ist gleich das Freibad, da kann ein jeder zuschauen. Mir ist wichtig, dass die Spieler Spaß am Training haben.
Sie müssen ihre private Lieblingsphilosophie Sachzwängen wie dem Abstiegskampf und dem Spielermaterial unterordnen. Wie würden Sie spielen lassen, wenn diese Faktoren nicht vorhanden wären?
Ich würde wie Deutschland spielen lassen: Die stehen hinten sehr gut und spielen aus dem Kollektiv heraus schnell in die Tiefe. Da stehen dann auch immer drei oder vier Spieler vorn, die abschließen können. Das gefällt mir.
Was für einen SVM werden wir in dieser Saison sehen?
Wir müssen vor allem hinten gut stehen, dann können wir auch gescheite Konter fahren, und dumme Fouls, von denen wir vergangene Saison viele gemacht haben, vermeiden. Vorne müssen wir effizienter werden. Da erwarte ich mir vor allem von Patrick Bürger viel.






erscheint am 6. Oktober 2010.
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