»Visca España« oder »Adeu Espanya«?

spanien.jpg WM-BLOG Ein spannender Nebenschauplatz des spanischen Erfolgs ist der Umgang der neuen Weltmeister mit ihrer Herkunft. Die Spieler lassen offensiv die Farben und Fahnen ihrer Provinzen hochleben, das Thema der Unabhängigkeit wird aber ausgeblendet. Und der eingemeindete deutsche Tintenfisch hat sich noch nicht entschieden, ob er Baske, Katalane oder Spanier ist.
Edgar Schütz | 13.07.2010
An sich liebt der Spanier seinen »Pulpo« ja schön durchgesotten, papriziert und in würziges Olivenöl getränkt. »A la gallega« heißt die derart schmackhaft zubereitete Krake. Auf galicische Art also, was auch ein bisschen symptomatisch für das Land des neuen Fußball-Weltmeisters ist, selbst wenn kein Spieler aus der autonomen Provinz im Nordwesten in jenem heroischen Team dabei war, das am Montag nach seiner Rückkehr in Madrid frenetisch gefeiert wurde.

An dem »Bad in der Masse«, wie es die Sportzeitung Marca ausdrückte, nahmen dafür sieben Katalanen (Victor Valdes, Gerard Piqué, Joan Capdevila, Xavi Hernandez, Sergio Busquets, Cesc Fabregas, und Carles Puyol) und drei Basken (Xabi Alonso, Fernando Llorente und Javier Martínez) teil. Dass Piqué während der Feiern in Madrid Cesc Fabregas ausgerechnet das Dress von Real Madrids Erzrivalen FC Barcelona überzog, könnte Hinweis darauf sein, dass Fabregas bereits bei »Blau-Grana« ante portas steht? Vielleicht aber auch ein bisschen Provokation, weil Barça sich doch selbst gerne als »més que um club« (»Mehr als ein Klub«) bezeichnet, also als eine Art heimliche Nationalmannschaft der rund sieben Millionen Katalanen.

Wobei: So lange sich Katalanen, Basken und vielleicht irgendwann auch Galicier dank Spanien wieder als Weltmacht fühlen dürfen, ist das Thema von eigenen offiziellen Nationalteams wohl nicht so vordringlich. Dennoch wird der Fußball als Vehikel für Unabhängigkeitsbestrebungen in Spanien aktiviert. Seit Jahren verlangen Katalanen und Basken nach dem Vorbild von England, Schottland und Wales eigene Nationalteams. Und ausgerechnet am Finaltag fand in Barcelona eine große Unabhängigkeitsdemonstration unter dem Motto »Adeu Espanya« statt. Im zentralistischen Madrid hatte die Sportzeitung As nach Carles Puyols Halbfinaltreffer gegen Deutschland noch »Visca España« getitelt, wobei »Visca« die katalanische Version von »Viva« ist.

Der mittlerweile zum Weltstar mutierten Krake Paul in Oberhausen dürfte dies alles egal sein. Sie kann sich freuen, wohl nie als »Pulpo a la gallega« auf dem Esstisch zu landen. Nachdem Paul den WM-Titel der Spanier souverän vorausgesagt hat, wurde er von Premier José Luis Rodríuez Zapatero ja quasi unter Artenschutz gestellt.

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Rubrik: Aktuell, WM-Blog

Kommentare zu: »Visca España« oder »Adeu Espanya«?

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  • "Provinzen"

    Galizien oder Katalonien sind keine "autonomen Provinzen", sondern "regiones autonomas", also "autonome Regionen". Provinz sind die nächst kleinere VErwaltungseinheit und bilden die autonomen Regionen.

    ShlomoSchmock - 20.07.2010 00:53
  • Re:\"Provinzen\" / Autonme Provinzen/Regionen

    Ja, das stimmt...

    Zugegebenermaßen liegt ShlomoSchmock wohl richtig. Was im Prinzip aber nicht viel ändert.

    Der Autor

    Betis - 12.08.2010 17:16

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