Erschwert wurden die Auflagen für »legales Zündeln«. Kommunale Verordnungen, die die Verwendung von Bengalen in Einzelfällen möglich gemacht haben, wird es nicht mehr geben. Den Klubs (und nicht den Fans) bleibt es lediglich offen, zu »bestimmten Anlässen« bei den Sicherheitsbehörden um Ausnahmegenehmigungen anzusuchen. Weil auf diese Weise erlaubte Pyro-Aktionen aber »in keinem Fall« auf der Fantribüne stattfinden dürfen, rechnet Bundesliga-Vorstand Georg Pangl nicht mit einem Run auf dieses Hintertürl. Außerdem wolle man nicht »gegen das eigene Gesetz arbeiten«, so Pangl.
Stoische Schladminger Ohrwaschl
Zu spüren bekommen dürften die Fans die Änderungen vor allem rund um das Match. »Pyrotechnische Gegenstände und Sätze dürfen in sachlichem, örtlichem und zeitlichem Zusammenhang mit der Sportveranstaltung nicht besessen und verwendet werden«, heißt es im Gesetzestext. Hier greift dann das »Durchsuchungsrecht der Polizei«. Ab sofort ist es den Beamten erlaubt, Personen zu durchsuchen, wenn »der dringende Verdacht besteht, dass dem Gesetz zuwider gehandelt wird.« Die Kombination dieser beiden Änderungen gibt der Polizei also die Möglichkeit, Fangruppen bereits auf der Anreise, beispielsweise am Bahnhof oder Stadionparkplatz, aufzuhalten und zu durchsuchen.
Der Hinweis von Jedelsky, dass dies natürlich für sämtliche Sportarten gelte, sorgte für einigen Diskussionsstoff unter den anwesenden Journalisten. Krone-Sportchef Peter Linden etwa meinte, beim Nachtslalom in Schladming habe die Polizei »kein Ohrwaschl gerührt«, als gezündelt wurde. Worauf Jedelsky konterte, dass es seinen Informationen zufolge in Schladming sehr wohl Anzeigen im Zusammenhang mit dem Pyrotechnikgesetz gegeben habe. Die Frage, wie die Polizei auf etwaige Vergehen zum Start der Frühjahrsmeisterschaft in den Fußballstadien reagieren werde, wurde von den Bundesligavertretern nicht beantwortet. Er habe darauf keinen Einfluss, sagte Jedelsky, das sei Sache der Polizei und nicht der Bundesliga.
Kontraproduktive Feierstimmung
An die anwesenden Medienvertreter appellierten Pangl und Jedelsky, die Agenda der Bundesliga in Sachen Pyrotechnik nicht zu untergraben. »Helft’s uns, zeigt’s das nicht auf Fotos«, meinte Pangl. Jedelsky präsentierte ein Zeitungsbild von brennenden Bengalen aus Schladming und sprach sich ebenfalls dagegen aus, solche Fotos mit »guter Stimmung« zu assoziieren: »Das ist kontraproduktiv.«
Was den Dialog zwischen Liga und organisierten Fans betrifft, sieht Pangl zuerst die Vereine gefordert: »Den Fan interessiert in erster Linie der eigene Klub. Insofern ist der auch der erste Ansprechpartner. Darüber hinaus steht die Bundesliga für Anfragen jederzeit zur Verfügung.« Interesse an konkreten Maßnahmen wie einem Runden Tisch mit BL-Vertretern und Fans ließ der Ligavorstand nicht erkennen. Dafür wies er noch einmal darauf hin, dass die Klubs einstimmig für ein komplettes Pyroverbot gestimmt hätten.
In einem anderen Bereich wurde die Kommunikation hingegen vorangetrieben. Unter dem Motto »Bundesliga ON EAR« bietet die Liga in Kooperation mit T-Mobile und der Plattform football4all blinden und sehbehinderten Fans ab sofort die Möglichkeit, die Heimspiele von Rapid, Salzburg, Austria und Sturm über ein tragbares Radio oder den Internet-Live-Stream auf www.bundesliga.at zu verfolgen. Kommentiert werden die Matches von speziell ausgebildeten Radiosprechern. »Ein weiterer Meilenstein für sehbehinderte und blinde Fans in Österreich,« freute sich Britta Wagner, Koordinatorin von football4all. Ob die Kommentatoren auch angewiesen werden, das Geschehen in der Kurve auszublenden, wird sich zeigen.






erscheint am 6. Oktober 2010.
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